Geschichten aus Mittelerde

Das neue Archiv für Fanfictions rund um Tolkiens wunderbare Welt!

Ein friedliches Ende
von Arilynna

Chapter #1
Eisige Kälte umgibt mich. Um mich her pfeift der Wind und durch den Schneesturm hindurch sieht man kaum die Hand vor Augen. Blind stolpere ich vorwärts, die Angst vor dem Versagen treibt meinen erschöpften Körper, denn das würde hier den Tod bedeuten. Vor drei Tagen starb meine jüngste Schwester, wenige Stunden später rutschte meine beste Freundin in ein dunkles Eisloch. Ich kann an kaum etwas anderes denken, ich werde bald verrückt.
Die Verletzung an meinem Bein schmerzt bei jedem Schritt und der Schmerz nimmt mir die Kraft, mich durch den Schnee zu kämpfen. Die Wunde, die mir eine aus meiner Sippe zufügte. Ein Mädchen der Teleri!

Unvermittelt kommen mir die Worte Feanors in den Sinn. Verwegen sprach er von der Freiheit und von Ruhmestaten. Nie würde unser Volk in Vergessenheit geraten, weit in die Welt hinaus würden wir gehen und das Böse besiegen. Und er entfachte ein Feuer in mir, von dem ich nie geahnt hatte. Ich bewunderte ihn und war bereit ihm bedingungslos zu folgen. Ich ließ meinen Vater in Valinor zurück. Er widerstand der Versuchung und es war sein größter Schmerz mich gehen zu sehen. Doch ich hatte dafür kein Verständnis.. In meinem Herzen brannten nur die Worte Feanors und sie ließen für nichts anderes Platz. Ich verhöhnte die Valar, ich tötete ich Alqualonde und ich verachtete Finarfin und sein Gefolge. Zwar zog ich von Anfang an mit Fingolfins Schaar, doch war es mein größter Wunsch, zu Feanor’s Volk zu gehören.
Wie jedoch wandelte sich mein Sinnen, als ich am Morgen erwachte und erfuhr, dass Feanor und sein Gefolge nach Mittelerde gesegelt waren und dort die Schiffe verbrannt hatte. Und beim Anblick des Rauches der hoch über dem Fjord von Drengist zu sehen war, begann ich ihn zu hassen und ich betrachtete seinen Verrat als persönlichen Verrat an mir. Er war nicht mehr mein Ideal und nun, da die Flamme in mir erloschen war, sah ich mich allein und ohne Ziel. Also folgte ich Fingolfin, denn zum Umkehren war es zu spät.

Und nun lauert der Tod auf meinen letzten Fehltritt. Auch der Hass in mir ist nicht mehr so stark, denn ich habe endlich eingesehen, dass es doch nur um das Überleben geht. Meine letzten Kräfte sind erschöpft, meine Augen schmerzen von dem endlos grellem weiß und in meinen Ohren rauscht es. Ich spüre meinen Körper kaum noch von der Kälte, einzig mein Bein, in dem der dumpfe Schmerz pocht. Es zittert bei jedem Schritt, lange werde ich nicht mehr durchhalten. Vor meinen Augen sehe ich das verzweifelte Gesicht der schönen Elbin, die mir in ihrer Not die Wunde am Bein schlug. Es hatte ihr nichts genutzt, sie starb trotzdem. .... Durch meine Hand!

Ich sinke in die Knie und schleppe mich auf allen vieren dahin, doch das hat keinen Sinn. Ich bin zu schwach um wieder auf die Beine zu kommen und mit erstaunlicher Ruhe wird mir klar, dass ich verloren bin. Ich werde hier draußen vereinsamt sterben, eine von vielen und der Schnee wird meinen Körper zudecken, zur ewigen Ruhe. Mein Geist wird in Mandos Hallen warten bis zum letzten tag. Mein Blut färbt den Schnee rot und ich weiß, dass ich langsam und qualvoll verbluten oder erfrieren werde. Meine klammen und erstarrten Finger tasten nach meinem Dolch und ziehen ihn ungeschickt aus dem Gürtel. Ich denke an meinen Vater in Valinor, ein einfacher Elb, doch von einer erstaunlichen Weisheit. Mögen die Valar ihn segnen!

Mit einer seltsamen Ruhe nehme ich den Dolch und stoße ihn in mein Herz. Der Schmerz erreicht mich kaum, ich spüre das Blut, das warm über meine Finger läuft und dann kommt die Dunkelheit und holt mich. Mein Geist verlässt den Körper des selig lächelndem Elbenmädchens und macht sich auf den langen und beschwerlichen Weg zu Mandos Hallen.

ENDE

Made with Bulma
Source code licensed MIT.
Website content licensed CC BY-NC-SA 4.0.


eFiction v5.0.0-dev-3, using MySQL, page rendered in 17,33 msecs / Memory usage 2097,2 KB
Bad Behaviour hat in den letzten 7 Tagen 35 Zugriffe blockiert