Geschichten aus Mittelerde

Das neue Archiv für Fanfictions rund um Tolkiens wunderbare Welt!

Shoutbox

Kategorien

Zeitalter (215)
Literatur (96)
Medien (39)

Kalender

             
             
             
             
             


Umfragen

Momentan gibt es keine aktiven Umfragen.

Ein Ding, das ich dir zeigen soll...

von Febobe

Kapitel #1

Pippin


Frodo. . .


Das Licht fängt sich, glitzernd wie Wasser auf Fischschuppen, eine Million vollkommener Lichtpunkte.


Und selbst wenn ich blind wäre, ich hätte es wiedererkannt.


Frodos Hemd. Frodos Hemd... das eine, dass ihm Bilbo geschenkt hat, damit es ihn schützt.


Was hat es ihm an Ende Gutes getan, wenn sie es ihm weggenommen haben? Ich nehme an, es spielt keine Rolle, ob er es getragen hat oder nicht, wenn alle Sicherheit schwindet...


Mir ist schlecht. Ich kann nicht wegschauen. Was haben sie getan?


Und als Gandalf es behutsam in meine wartenden Hände gleiten lässt, da... da kann ich nicht machen, was ich gern machen würde.


Ich will wissen, ob nur ihr Gestank daran hängt, oder – oder ob irgendetwas von Frodos Geruch daran zurückgeblieben ist.


Es ist das Letzte, woran ich mich erinnere, selbst noch in der letzten Nacht, bevor er uns verließ, und ich habe vergessen, wie er riecht. Ich hatte gehofft, er würde mich bald genug daran erinnern.


Und doch klammere ich mich daran, obwohl ich es nicht weiß. Es ist alles, was wir haben.



******



Gimli


Er grinst.


Sein Kopf würde hübsch aussehen ohne seinen Körper. Seine Zähne wären hübsch an einem Gürtel, wahrhaftig, oder als Zierrat.... für irgendwas.


„Tot.“ hat Frodo mir einmal gesagt, als ich mit ihm über seine Eltern sprach. Ich kann ihn noch immer sehen, wie er am Ufer des Flusses sitzt, ein angebissenes Stück Brot in der Hand, die strahlenden Augen bereits verschattet, hohl und abwesend... es sei denn, er redete von zu Hause oder von Bilbo. „Sie sind ertrunken in dem Jahr, als ich zwölf wurde.“


Ich sollte die Zähne statt dessen zu Bilbo mitnehmen – falls Meister Elrond glaubt, dass der Schock den armen Kerl nicht umbringt.



******



Éomer


Merrys qualvoller Schrei lässt mich zusammenfahren, und meine eigenen Worte fallen auf mich zurück.


"Ich zweifle nicht an seinem Herzen..."


Meriadoc, ich wünschte, dass ich, was dich angeht, weder Herz noch Arm angezweifelt hätte.


Jetzt zweifle ich nicht.


Selbst mein Geist verzagt bei dem Gedanken, was die Worte bedeuten, die an dich und deinen Verwandten gerichtet sind. An uns. Vielleicht wäre es nie so weit gekommen, hätte keiner von uns an dir gezweifelt.


Aber im Herzen bin ich dafür verantwortlich, denn als Führer inmitten meines eigenen Volkes hätte ich das Beispiel geben sollen.


Éowyn, möge ich dich in diesen letzten Stunden nicht beschämen. Ich würde dir Ehre machen, indem ich der Wahrheit die Ehre erweise.


Ich dachte, das Volk von Rohan wüsste, was Leiden bedeutet.


Jetzt beginne ich, etwas anderes zu befürchten.



******



Merry


„Nein!"


Es rutscht mir heraus, bevor ich es verhindern kann, und ich bin nicht sicher, ob es mir leid tut. Vielleicht habe ich zu lange den Mund gehalten. Ich habe geschwiegen, als Frodo alleine fortrannte, ich hielt Pippin zurück, sagte Frodo, dass er laufen soll, dass er weiter rennen soll, anstatt darauf zu bestehen, dass er zu uns in unser Versteck kommt, wie wir ihn nur Sekunden zuvor gedrängt hatten.


Was für ein Vetter tut so etwas?


Ich habe ihn ins Blaue fortlaufen lassen, ohne uns.


Und was ist mit mir? Ich stehe in Diensten, wo sich gute Menschen um mich kümmern, Éowyn und Aragorn, Théoden und andere, wo man mir ein Bett, zu Essen und zu Trinken gibt, und wo ich wenigstens Leute hatte, die sich um meine Verletzungen kümmern konnten.


Was hat Frodo am Ende gehabt?



******



Legolas


Sie spüren es – die Kleinen spüren es sogar noch vor uns anderen, und sie schreien auf, ihre süßen Stimmen ein herzzereißender Schmerz, groß genug, die Steine zum Weinen zu bringen. Aber das Böse, dem wir gegenüberstehen, ist übler als Stein und nicht zu rühren... und selbst wenn es so wäre, der Schaden ist angerichtet. Es ist vorbei.


Da gibt es nichts, was ich tun kann, um sie zu trösten.


Wäre es möglich, ihren Schmerz zu lindern und sie beruhigen, indem ich einfach sofort einen Pfeil durch diese Bestie jage, ich würde ihm mit Freuden ein Dutzend davon in die Kehle schießen für das Leid, das er verursacht... aber das hätte weder Sinn noch Nutzen. Aragorn hat im Augenblick auch ohne ein solches Verhalten Sorgen genug.


Und doch würde mir im Moment nichts größeres Vergnügen bereiten, denn Erinnerungen an Frodos Augen und sein süßes Gelächter gehen mir durch den Sinn wie Musik, und mein Blut erhitzt sich, bis ich das Gefühl habe, dass meine Adern überfließen.



******



Aragorn


„Offenbare deine Gefühle nicht.“ hatte Adar gesagt – Elrond, natürlich, denn mein Vater im Blut war lange tot, als ich solche Lektionen erhielt, nachdem mich Orks in den Ettenöden niedergeschlagen hatten. „Nicht, wenn du auf den Feind triffst. Ja, es gibt Zeiten dafür. Ein wahrer Mann sollte sich nicht fürchten, seine Gefühle vor Weib und Kindern zu zeigen, wenn die rechte Zeit dafür da ist – Liebe zum Beispiel, wie ich sie Elladan und Elrohir gegenüber zeige, und dir. Aber einem Feind zu erlauben, deine Furcht zu sehen, deinen Zorn oder deine Ungeduld – verstehst du, Estel, wie zerstörerisch das sein könnte? Königreiche mögen darüber stehen oder fallen.“


„Ja, Adar.“


Ich bin noch jung gewesen damals, noch ein Kind, das Elrond Papa nannte, und ich baumelte mit den Beinen, während ich in einem der großen Sessel im Studierzimmer meines Ziehvaters saß und meine Lektionen erhielt.


„Versagen,“ ein zischendes Flüstern in meinem Herzen. „Versagen... hättest du nur den Mut besessen, dein rechtmäßiges Erbe zu beanspruchen und den Einen zu nehmen, um endlich dein Recht zu erhalten, und Ihn zu benutzen, um Arnor wieder aufzubauen und die Nördlichen und Südlichen Königreiche wieder zu vereinen, alles wäre gut gewesen!"


Diesen Vorwand kann ich ertragen. Diese Worte kann ich unterdrücken. Aber der Anblick des Mithrilhemdes...


Adar... Adar... was geschieht mit Hobbits, wenn sie sterben? Sicherlich müssen die Valar eine große Belohnung für Frodo bereithalten, ich kann nicht glauben, dass sie zuließen, dass er so viel ertragen musste, um dann ohne Frieden zu sterben, mit nichts...


Der Schmerz bricht in Wellen über mich herein.


Was, wenn du sein Retter wärest, Aragorn, und wenn du derjenige bist, der ihn im Stich gelassen hat? Derjenige, der ihn ohne Frieden sterben ließ?


Ich stähle mich, beruhige meinen Atem und lausche; ich lasse es zu, dass Gandalf spricht.


Aber meine Arme erinnern sich an ein kleines, weiches Bündel... und ich erinnere mich nur zu gut, wie ich mit ansah, als strahlende, fröhliche Züge verblassten zu einem bleichen, ausgehöhlten, tief verschatteten Angesicht.


Dieser Bote wird teuer bezahlen.



******



Gandalf


Frodo.


Zwischen seinem Gelächter und seinen Worten höre ich – wie in einer Halluszination – ein anderes Lachen, andere Worte.


Das Lachen eines Kindes.


„Gandalf! Gandalf!"


Bilbos warmes Glucksen. „Nun, Junge... gib unserem Freund ein bisschen Zeit, sich hinzusetzen und auszuruhen! Ich bin sicher, du bekommst deine Überraschung, wenn er zu Essen, zu Trinken und zu Rauchen gehabt hat. Jetzt setz dich hin und trink deinen Tee!“


„Onkel Bilbo!“ Nicht viel Gejammer, noch gab es viel Widerstand, als der Junge zu seinem Platz zurückkehrte – ein kleiner Hobbit, ein noch junges Waisenkind, das in eine mit Erdbeermarmelade bestrichene Röstbrotscheibe biss... ein Junge, dessen übliche Schwermut sich durch einen ausgedehnten Aufenthalt bei seinem geliebten „Onkel Bilbo“ zu heben schien.


Oh mein Junge, mein Junge... bin ich überhaupt im Recht gewesen? Die reinste aller Seelen zu nehmen und sie in die Finsternis zu schicken...


Wer hätte gedacht, dass jemand so Kleines so viele Schmerzen ertragen würde?


Ich fahre beim Klang der Stimme zusammen und widerstehe dem Drang, zu nicken. Ganz klar, sie kennen Frodo nicht. Oder sie haben ihn nicht gekannt.


Ich fühle mich elend und schaue auf Pippin hinunter, während er das Mithrilhemd wieder und wieder zwischen den Händen hin- und her wendet und an sich drückt; ich glaube, seine Gefühle verraten uns alle... und doch ist es zu spät. Ich habe den Verrat bereits begangen, als ich versucht habe, die anderen in ihrem Schmerz zum Schweigen zu bringen.


Sie wissen es.


Sie wissen es.


Aber er hat es, Gandalf. Er hat es.


Das ist genau, was ich am meisten fürchte.


Mögen die Valar mir vergeben, was ich getan habe.


ENDE