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Ein verhängnisvolles Bier

von Mariposa

Kapitel #1

Diese Geschichte spielt sich im Frühling 1392 ab, Pippin ist etwa eineinhalb Jahre alt, Merry ist gerade zehn geworden und Frodo ist dreiundzwanzig.



„Mama.“ sagt Pippin, und Eglantine zieht ihn hinein in eine voluminöse Umarmung.


„Hallo, Liebchen.“ sagt sie und der Junge patscht ihr mit seiner kleinen Hand ins Gesicht.


„Mama.“ sagt er noch einmal feierlich. „Papa. Puh. Pim. Mama.“


„Ja, mein Schätzchen, Mama, Papa, Perle, Pimmie. Und wer ist deine andere Schwester?“


„Meeee!"


Merry kichert; er steht neben den beidem im Eingang zu den Groß-Smials. „Ich bin nicht deine Schwester, Pip.“ Der Zehnjährige streckt die Hand aus, um Pippin’s baumelnden Fuß zu kitzeln. „Ich bin dein Vetter.“ Sonnenlicht strömt durch die offenen Türen herein, und der Gesang der Vögel scheint die Kinder nach draußen zu rufen.


„Vinca ist deine andere Schwester.“ sagt Eglantine mit singender Stimme – die Art von Stimme, die Erwachsene benutzen, um einem Kind etwas zu erzählen, von dem sie wissen, dass das Kind es schon weiß.


Pip legt seine Hand über ihren Mund. „Mee.“ sagt er fest und schüttelt den Kopf, wie um die Existenz von Pervinca zu leugnen, die er, wenn er es denn muss, „Bicca“ nennt.


Eglantine seufzt und legt den Kopf nach hinten, um ihn anzusehen. „Du bist ein lieber Junge, aber ich wünschte, du würdest anfangen zu sprechen – etwas anderes als Namen jedenfalls. Die kennst du auswendig.“ Sie pustet ihm sanft gegen die Wange und Pippin kichert, dann windet er sich und will herunter gelassen werden. Sie setzt ihn ab und er hängt sich auf der Stelle an Merry und klammert sich mit beiden Armen and die Beine des älteren Jungen.


„Mee!“ sagt er und beansprucht damit seinen meistgeliebten Spielkameraden für sich.


„Ja, Lieber, das ist dein Mee.“ sagt Eglantine. Sie schaut Merry an. „Wo ist Frodo? Sollte er nicht auf dich aufpassen?“


„Oh, das tut er auch.“ sagt Merry hastig. Er räuspert sich und zappelt von einem Bein auf das andere. „Wir sind bloß reingekommen, um Pippin das Gesicht zu waschen und... und... und meinen Spazierstock zu holen. Wir machen einen... einen Streifzug. Mit Frodo.“ Seine Wangen laufen rot an und seine Ohren glühen, und Eglantine Tuk betrachtet ihn mit durchbohrendem Blick. Eine Pause folgt, in die Pippin abwesend hinein singt: „Mama, Papa, Puh, Pim, Mee, Fro...“, einen Arm noch immer um Merrys Bein geschlungen, eine Hand in seinen kastanienbraunen Locken vergraben, seine Augen träumerisch halb geschlossen.


Eglantine seufzt wieder. „Also schön.“ sagt sie; sie denkt, dass die Jungen an einem sonnigen Nachmittag nicht in allzu große Schwierigkeiten geraten können. „Seid bloß rechtzeitig zum Abendessen wieder da. Tante Clemmie ist in der Küche an der Reihe.“


„Ja, Tante Tini.“ sagt Merry. Er löst Merrys Griff von seinen Beinen, führt ihn weg und greift nach einem Spazierstock, als sie zur Tür hinausgehen.


„Mama, Papa, Puh, Pim, Mee, FRO!“ schreit Pippin als eine Art Lebewohl, und Eglantine winkt und verschwindet in den Tiefen des Smial.


„Das war knapp.“sagt Merry, als sie um die Ecke auf die Scheune zusteuern. „Bloß gut, dass du noch nicht sprechen kannst, Pip – es ist schlimm genug, wenn ich versuche zu lügen, bei dir wäre es hoffnungslos.“


„Mee.“ stimmt Pippin feierlich zu und seine kurzen Beine versuchen, mit Merry Schritt zu halten.


Frodo wartet in der Scheune. „Wieso habt ihr bloß so lange gebraucht?“ fragt er ungeduldig. „Und warum hast du deinen Spazierstock mitgebracht? So weit ist es doch gar nicht.“


Merry wirft den Stock in eine dunkle Ecke neben der Tür und erzählt Frodo, wie sie beinahe erwischt worden sind.


„Gute Arbeit.“ sagt Frodo ernsthaft. „Jetzt lasst uns gehen.“ Und sie ziehen los, nichts als Unfug im Kopf an diesem sonnigen Frühlingsnachmittag.


* * * * *


Die drei Hobbits blinzeln in der kühlen Dunkelheit des Glücklichen Schwans; die Tür schließt sich mit Schwung hinter ihnen und Merry zuckt bei dem Geräusch zusammen. Er hat Pippin getragen, dessen kurze Beine sich als zu kurz erwiesen haben für Frodos Geschmack, und jetzt setzt er ihn erleichtert ab – der Junge mag klein aussehen, aber er macht einen ganz schön müde, vor allem wegen seines ständigen Gezappels.


Niemand beachtet die drei, als wäre das Auftauchen von zwei ernstlich zu jungen Hobbits die Beachtung in diesem besonderen Gasthaus nicht wert. Frodo zerrt nervös an seinem Gürtel und fährt sich mit einer Hand durch das dunkle Haar. „Also gut, Ihr beiden.“ sagt er , kauert sich nieder und schaut seine beiden Vettern an. „Zieht keine Aufmerksamkeit auf euch. Wir.... wir gehen einfach und setzen uns an den Tresen.“


Pippins Augen haben sich noch nicht an das schwache Licht gewöhnt, und er rennt in schätzungsweise siebenunddreißig Stühle und Tische hinein in seiner Hast, die hohen Hocker zu erreichen, die am Tresen aufgereiht stehen. Frodo beschirmt seine Augen einen Moment mit den Händen, dann folgt er und sucht sich seinen Weg durch das Möbel-Durcheinander mit mehr Geschick. Merry folgt ihm auf den Fersen und schaut sich mit geweiteten Augen um. Er ist noch nie zuvor in einem Gasthaus gewesen, und er ist fasziniert von dem Sägemehl auf dem Fußboden und den stark abgenutzten Tischen und Stühlen. Er bleibt stehen, um einen Reim zu lesen, der in eine Tischplatte eingraviert ist. Ein Hobbit mit Namen Fral, der lebte allein in ´nem Tal, er stieß sich den Zeh und brüllte ,Och nö!’, dann schrie er ,Zur Hölle nochm...’


„Dankesehr!“ sagt Frodo laut und zerrt Merry an seinen Hosenträgern weg, „Kleine Rotznasen haben große Ohren.“ zischt er und starrt betont zu Pippin hinüber, der versucht, einen Hocker zu erklimmen. Frodo lässt Merry los und hechtet vorwärts, um den Kleinen aufzufangen, als er gerade mit dem Kopf voraus zu Boden stürzt.


„Oh, Pip sagt sowieso nie was anderes als Namen.“ sagt Merry mürrisch. Frodo starrt ihn an und er gibt klein bei; er weiß, dies wird ein recht kurzer Besuch, wenn er seinen älteren Vetter verärgert.


Einen Augenblick später sitzen sie alle; Frodo versucht, locker zu wirken und Merry hält einen sich windenden Pippin auf seinem Schoß fest. Der Schankwirt kommt herüber. Er ist eine der fettesten Personen, die Merry je gesehen hat, und er keucht, als er vor ihnen zum Stehen kommt und wischt sich das Gesicht mit demselben Tuch, das er dazu benutzt hat, am anderen Ende des Tresens Gläser trockenzureiben. „Guten Nachmittag, meine Herren,“ sagt er atemlos, „was kann ich Euch zu trinken bringen?“


Frodo durchsucht den Raum. Um diese Zeit sind nur drei andere Leute anwesend; zwei alte Gevattern, die neben einem der wenigen Fenster eine Partie Schach spielen und ein einsamer Hobbit, der mit einem Humpen zwischen den Ellbogen da sitzt und düster in dessen Tiefen starrt. „Wie wäre es mit einer Zitronenlimonade für diese beiden zusammen?“ sagt er. „Und ein Bier für mich.“


„Kommt gleich,“ sagt der Schankwirt. Er duckt sich hinter dem Tresen; Pippin beugt auf Merrys Schoß vor, um zu sehen wohin der Hobbit verschwunden ist und fährt verblüfft zurück, als er wieder auftaucht. „Pim!“ ruft Pippin aus.


Der Schankwirt lächelt; seine Augen verschwinden hinter schmalen Schlitzen, während sich seine Wangen nach oben runden. „Dir auch ein Pim, junger Herr,“ sagt er, und er stellt ein sprudelndes Glas vor Merry und Pippin hin. „Prosit.“ Er tritt zurück, um Frodos Getränk zu zapfen.


Merry hält das Glas sorgsam so, dass Pippin trinken kann: er denkt, dass sein allererster Schluck Zitronenlimonade etwas Besonderes sein sollte. Der Kleine nippt vorsichtig und rümpft angesichts der Luftbläschen die Nase. „Bicca,“ sagt er, und dann, als er den süßen Geschmack bemerkt: „Mee!“


Merry und Frodo lachen, und der Schankwirt setzt einen Humpen vor Frodo ab. „Hier ist dein Bier, Herr. Das wären zwei Taler... oder soll ich einen Bierdeckel anfangen?“


„Ich denke, ein Bierdeckel wäre gut.“ sagt Frodo großzügig. Er lehnt sich gegen die Rückenlehne des Hockers und lässt seinen Blick durch den Raum wandern. „Ruhiger Nachmittag, hm?“


„Oh ja... es sollte sich bald ein bisschen beleben,“ sagt der Schankwirt. „Ich hab üblicherweise eine Menge Leute hier, wenn die Felder bestellt sind, und bevor das Abendessen anfängt, sie nach Hause zu rufen.“ Er wischt sein Glas aus und betrachtet Frodo sorgfältig. „Du bist nicht aus der Gegend.“


Frodo lächelt. „Nein, ich lebe drüben in Wasserau, in der Nähe von Hobbingen. Bloß ein Familienbesuch.“ Er deutet auf Merry und Pippin, die den Inhalt des Glases, das sie sich teilen, schon deutlich verringert haben. Pippin gibt einen überraschend kräftigen Rülpser von sich und Merry kreischt vor Lachen. „Merry! Pippin!“ rügt Frodo, aber der Schankwirt lacht.


„Ach, denk dir nichts dabei.“ sagt er. „ich hab schon Schlimmeres gehört, wenn auch nicht von so einem kleinen Kerlchen.“ Er zwinkert und entfernt sich, immer noch lächelnd, den Tresen hinunter.


Merry sieht seine Chance und ergreift sie. „Hör mal, Pip.“ sagt er und nimmt einen enormen Schluck Zitronenlimonade. Er schluckt ihn hinunter und sitzt einen Moment abwartend da; dann bricht plötzlich ein erstaunliches Rülpsen aus ihm heraus. Angesichts von Pippins aufgeregtem, ehrfürchtigen Blick kann selbst Frodo ein Grinsen nicht unterdrücken.


„Das war gar nichts,“sagt er selbstbewusst und hebt seinen Krug hoch. Er lehrt den halben Humpen in einem Zug und gibt einen Moment später ein Geräusch von sich, das in seinem Unfang, seiner Länge und Tiefe nur als ungewöhnlich beschrieben werden kann.


Jetzt kichern Pippin, Merry und Frodo alle miteinander, und Merry und Pippin setzen ihre Anstrengungen fort, belohnt von Pippins fröhlichem „Fro!“ und „Merry!“-Geschrei. Es gibt eine Pause, als ihre Gläser leer sind, und Frodo schnappt nach Luft und macht dem Schankwirt ein Zeichen, nachzufüllen.


„Noch eine Zitronenlimonade,“ sagt er, „und noch ein Bier.“ Der Schankwirt setzt den Humpen mit einem Knall ab; Frodo grinst noch immer seine Vettern an und hebt ihn hoch.


„Bier.“sagt Pippin plötzlich deutlich in die Stille hinein.


Frodo verschluckt sich, und Merry starrt auf den Hobbit-Winzling in seinem Schoß hinunter. „Was hast du gesagt?“fragt er.


„Bier!“ zwitschert der Junge, „Mama, Papa, Puh, Pim, Bicca, Mee, Fro, Bier!“ Er zeigt auf Frodos Krug. „Bier! Bier Bier Bier Bier Bier.“


Merry und Frodo starren einander mit geweiteten Augen an. Gerade in diesem Augeblick schwingt die Tür des Gasthauses auf und das Volk beginnt hereinzuströmen. Alles drängt sich um den Tresen und Pippin hört damit auf, sein neues Wort zu lispeln und staunt, den kleinen Mund weit offen. Merry starrt noch immer Frodo an, deshalb sieht er, wie das Gesicht seines Vetters die Farbe von Käse annimmt, als jemand direkt hinter Merry röhrt: „Frodo Beutlin, was im Namen von allem, was heilig ist, tust du in diesem Haus mit diesen Kindern?!?“


Merry fühlt, wie seine eigenen Eingeweide gefrieren, als er die Stimme erkennt. Es ist sein und Frodos Onkel, und Pippins Vater: Paladin Tuk.


„Dreh dich mal um, junger Herr Brandybock.“ dröhnt Paladin, und Merry verdreht sich langsam auf seinem Hocker, um ihn anzuschauen. Pippin sieht seinen Vater und grinst vor Entzücken. „Papa!“ kräht er. „Papa, Mama, Puh, Pim...“ Merry legt dem Kind hastig eine Hand auf den Mund.


„Was zum Teufel tut ihr denn hier?“ sagt Herr Tuk und starrt Frodo durchdringend an, während er die Hände nach Pippin ausstreckt. „Raus hier, jetzt.“


Pippin zerrt Merrys Hand von seinem Mund und schubst die Hände seines Vaters weg, „Mee!“ beharrt er und Paladin runzelt die Stirn, aber er lässt ihn in Merrys Armen. Merry betet, dass Pippin seinem Vater nicht sein neuestes Wort offenbart; Frodo rutscht von seinem Hocker. Er hält inne, gräbt drei Münzen aus der Hosentasche, lässt sie auf dem Tresen und folgt Paladins kräftigem Rücken durch die Menge und zur Tür hinaus. Merry, der Pippin trägt, stapft hinterher, als ginge er zu einer Beerdigung.


Draußen im blendenden Sonnenlicht dreht sich Paladin um und starrt auf die Missetäter hinunter. „Was hast du dir dabei gedacht?“ grollt er in Frodos niedergeschlagenes Gesicht. „Die zwei sind viel zu jung, um an einem solchen Ort zu sein. Er ist schmutzig, die Leute führen eine üble Sprache und obendrein sind die Getränke nicht gut. Der Junge hat noch genügend Zeit, sich wie ein Rüpel aufzuführen, wenn er älter ist... es ist nicht nötig, so früh damit anzufangen.“Seine Stimme sticht, und Frodo schaut verletzt auf.


„Er und Merry hatten bloß eine Zitronenlimonade, Onkel Paladin.“sagt er. „Ich würde nie zulassen, dass sie zu Schaden kommen!“


„Nie zu Schaden kommen?“bellt Pippins Vater, und ein Finger stößt in Richtung Pippin, dessen Unterlippe angefangen hat zu zittern. „Kannst du dir vorstellen, welchen Schaden sie nehmen, wenn ihre Mutter herausfindet, dass sie im Glücklichen Schwan waren? Der Schaden bleibt ein Leben lang, das tut er. Vor allem für den armen Pippin, wenn man bedenkt, was Tini davon hält, wenn selbst ich mich mal für ein gelegentliches Bier ins Gasthaus hinunter schleiche...“


„Das macht ihr eine Menge aus, nicht?“ sagt Frodo plötzlich. Da ist ein neues Glimmen in seinen blauen Augen, und Merry schaut verblüfft zu ihm auf.


„Himmel, ja!“ruft Paladin und wirft die Hände hoch. „Sie kriegt jedes Mal einen Anfall, wenn ich das Gasthaus auch nur ansehe...“Seine Stimme erstirbt, und er blickt Frodo, der ihn mit einer hochgezogenen Augenbraue beobachtet, mit zusammen gekniffenen Augen an. „So so so...“ beginnt Paladin zu stammeln, „ich denke, es wäre... äh... am Besten...“


„Möglicherweise wäre es am Besten, wenn Tante Eglantine nie zu hören bekommt, dass Pippin und Merry den Glücklichen Schwan je von innen gesehen haben?“ schlägt Frodo mit süßer Stimme vor.


Paladins Schultern sacken abwärts und er kaut einen Moment auf seiner Unterlippe, bevor er antwortet. „Nun. Ähm. Ja. Vielleicht wäre es das Beste.“


Frodo schaut auf Merry nieder. „Was denkst du?“ Merry nickt so heftig mit dem Kopf, dass seine Locken fliegen. Pippin beobachtet das alles, einen Babyfinger wieder in den Haaren während er wie ein Sack auf Merrys Hüfte sitzt.


„Also schön.“ grummelt Paladin schwächlich. „Dann ab mit Euch nach Hause, und ich will kein Wort mehr darüber hören.“ Er starrt sie scharf an, einen nach dem anderen. „Nicht. Ein. Wort.“ Er sieht aus, als wollte er noch mehr sagen, aber er macht den Mund zu und stampft in das Gasthaus zurück.


Merry reicht Pippin zu Frodo hinüber („Fro!“ quietscht der Kleine und zieht an Frodos Haaren) und sie trotten schweigend in Richtung der Groß-Smials. Auf halbem Weg fängt Pippin wieder mit seinem Namenslied an: „Mama, Papa, Puh, Pim, Bicca, Mee, Fro.“ singt er vor sich hin, und Merry und Frodo, die sich allmählich erholen, besprechen über seinen Kopf hinweg ihr knappes Entkommen.


* * * * *


Dreißig Hobbits setzen sich an diesem Tag zum Abendessen. Pippin wird allmählich müde, und es ist Merrys Aufgabe, ihn zu unterhalten und ihn davon zu überzeugen, etwas zu essen; viel weiter oben an der Tafel sitzt Frodo und schwatzt mit den Zwanzigern, und noch weiter oben sitzt Paladin zur Rechten seines Bruders Ferumbras; Eglantine befindet sich neben ihrem Mann, und gelegentlich schaut sie die Länge des Tisches hinunter nach ihren Töchtern und ihrem Sohn.


„Bicca!“ brüllt Pippin, wie immer, wenn er verärgert ist, und er stößt den angebotenen Löffel voll Essen von sich. Sein Gesicht läuft rot an und Merry weiß, dass er kurz davor ist, ein ohrenbetäubendes Kreischen von sich zu geben.


„Komm, wir sagen deine Worte.“ schlägt Merry heiter vor, der allmählich daran verzweifelt, den übellaunigen Dreikäsehoch abzulenken. „Mama, Papa, Perle, Pimmie, Vinca, Merry, Frodo!“


Pippin denkt darüber nach, entscheidet, dass es Spaß macht und beginnt mit seiner klaren, schrillen Stimme zu singen: „Mama, Papa, Puh, Pim, Bicca, Mee, Fro!“ Er macht das wieder und wieder und wird lauter und lauter dabei, und Merry hält verzweifelt bei Tante Tini nach Hilfe Ausschau. Sie lächelt ihn an und macht Anstalten, aufzustehen. Genau in diesem Moment wird die Unterhaltung leiser, und Pippin erinnert sich an etwas.


„Bier!“ schreit er freudig, eifrig darauf bedacht, sein neues Wort zu zeigen. „Bier Bier Bier Bier Bier! Mama Papa Pim Bicca Mee Fro Bier!“ Frodo verschüttet seinen Krug mit Punsch über den gesamten Tisch, gerade, als Paladin eine Saucenschüssel zu Boden fallen lässt.


Eglantine Tuk erstarrt, wo sie ist und dreht sich langsam um, um ihren Ehemann anzusehen. Er hat sich halb erhoben, sinkt aber auf seinen Stuhl zurück und bietet ihr ein kränkliches Lächeln und ein sehr, sehr kleines Achselzucken.


Sie starrt ihn sehr lange und durchbohrend an; Stille hat sich über die Halle herabgesenkt, und die Tropfen von Frodos Getränk sind deutlich hörbar, während sie auf den Boden fallen, einer nach dem anderen. Jeder Hobbit schaut mit angehaltenem Atem und wartet darauf, was Eglantine tun wird.


Sie müssen nicht lange warten. Sie marschiert entlang der Tafel hinunter und packt Frodo an einem Ohr, als sie an ihm vorbeikommt; er wimmert und sie zerrt ihn vom Stuhl. Ohne innezuhalten verfährt sie auf die selbe Weise mit Merry. Sie lässt beide einen Moment lang los, als sie Pippin von seinem Stuhl hochhebt, und dann, immer noch ohne ein Wort, marschiert sie aus der Halle, trostlos gefolgt von Merry und Frodo.


Paladin schaut in die Runde der gaffenden Gesichter seiner Verwandten und begegnet endlich den zwinkernden Augen seines Bruders. Noch einmal zuckt er die Achseln. „Ich hab’s ihnen gesagt.“ klagt er. „,Nicht ein weiteres Wort darüber’ habe ich gesagt. ,Nicht ein Wort.’“ Er seufzt laut und lange. „ich glaube, meine Frau wird mehr Worte zu sagen haben, selbst wenn Klein Pippin es bei einem belässt.“


Und inmitten von stürmischem Gelächter geht er hinaus.



ENDE