Geschichten aus Mittelerde

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Am Rande des Schicksals

von Susan

Kapitel #1

Schwarzes Feuer schlägt mir um die Wangen, blanke Flammen lecken schmelzenden Stein. Die Luft singt vor Hitze, singt ein grausames kleines Lied. Das Lied vom Ende, denn hier stehe ich. Hier, am Ende aller Dinge. Sein Klang erfüllt mein Herz, durchdringt es, zerreißt es. Langsam, ganz langsam, und doch gierig wie das peitschende Feuer selbst. Wenn es denn tatsächlich Feuer ist, dass mir den Sinn benebelt und das Blut in meinen Adern siedet; wenn es denn nicht schwärzer und heißer als jedes Feuer ist, dass auch der dunkelste Höllenfürst hätte schüren können. Ich bin an einem Ort jenseits von Feuer, jenseits von Hitze oder Schwärze.



Dies ist der Ort, an dem das Schicksal geschmiedet wird, an dem Hoffnung, Verzweiflung und endgültige Niederlage mit einem grausamen Hammer in die kleine Form einer Welt geschlagen werden; eine Welt, die zerstört wird und zerstört.


Hier bin ich, am Ende aller Welten und am Abend aller Tage. Hier bin ich, wo Schicksal begann und Schicksal endet, wo Feuer so heiß ist, dass es dich zum Zittern bringt und Verzweiflung so schwarz, dass du sie von Hoffnung nicht länger unterscheiden kannst. Hier bin ich, an meinem eigenen kleinen Ende, das ich doch durch meine endlose Torheit selbst heraufbeschworen habe. Lange war die Reise an diesen Ort, lange und beschwerlich. Voller Tücken und sonderbarer Fügungen. Eine Reise des Verlangens und ein Wettlauf der Verderblichkeit eines jeden Sterblichen. Doch ich bin gekommen, nicht Leben noch Tod konnte mich aufhalten. Ich bin gekommen, ein Beweis meiner Macht und Würde an den Unwissenden. Niemand soll mich je wieder leugnen.



Schwarze Hitze lehnt sich über mich voller Lüsternheit, greift nach mir mit tausend Fingern. Und die Luft singt, so hell und heiß steigt sie in Wolken aus gemartertem Rauch. Sie schreit vor Angst und Schmerzen; und Angst und Schmerzen sind es somit, die ich atme. Und doch, wenn das Feuer, das ich atme alles in mir verbrannt und verkohlt hat, so kehrt es sich in langsame und leise Erlösung. Wohlige Wärme durchströmt meine Knochen, das schreiende Brodeln flüssigen Feuers ist fern und fremd. Ich lächle, denn was auch immer geschieht, das Ende ist gekommen; mein Ende, sein Ende, das Ende aller Dinge. 'Ruhe, Rast', flüstert die Stimme des Feuers, 'das Ende aller Qualen'.



Doch hätte das Leiden niemals auch nur beginnen dürfen. Von dem Augenblick an, in dem er in meinen Besitz gekommen ist, hätte ich ein solches Ende voraussehen müssen. Er hätte niemals in meinen Besitz kommen dürfen und all meine Stärke hätte darauf verwendet werden sollen, dies zu verhindern. Denn ist er tatsächlich in meinem Besitz oder bin ich es, der in den seinen geraten ist? Jeden Schritt auf diesem weiten Weg haben wir gemeinsam beschritten, oh mein treuster aller Gefährten. Nie würdest du zulassen, dass wir getrennt würden. Oh, mein Liebster, mein Schatz. Und doch hast du mich an einen Ort getrieben, an dem das Gefüge der Welt selbst aufgerieben wird; an einen Ort, an dem selbst Feuer und Hitze nicht eins sein können. Eine Schmiede, in der Dinge durch Schmerzen vereint werden und ein Schmelzkessel, der jede Verbindung zu trennen vermag - sei sie auch noch so stark - und neu bindet, nach seiner eigenen Idee.



Bleib bei mir, oh mein Schatz, verlasse mich nicht! Sind wir wirklich an diesen Ort gekommen um zu zerstören, was uns seit zweihundert Zyklen des Mondes verbindet? Rána, Schiff aus Silber, gemeinsam sind wir zahllose Welten unter seinem sanften Blick durchwandert. Träume, Erwachen, im Schmelztiegel der Wirklichkeit ist alles eins. Nein, oh mein geliebter Schatz, ich werde mich nicht von dir trennen. Ich werde eins mit dir sein, für immer! Gemeinsam sind Traum und Wirklichkeit gleichermaßen unser und ich werde der Herrscher über Schlaf und Erwachen sein; über Leben und Vergehen, Hoffnung und Verzweiflung, Tränen und Blut, Feuer und Tod. Mit deiner Hilfe kann ich mächtiger sein als das Feuer, mächtiger als Hitze und kochendes Gestein. Ich erhöre dein flüsterndes Angebot. Wir sind eins, großartig und grausam jenseits sterblicher Vorstellungskraft. Es gibt so viele, die bezahlen sollten für was sie getan haben, so viele und sie werden bezahlen. Erst dann werde ich Zufriedenheit haben, wenn alles gerächt wurde. Und meine Rache wird kommen.


Wir sind eins.



Halt!



Ich höre Stimmen. Blass und verstört, als kämen sie aus einer Welt, die ich längst hinter mir gelassen habe. Es ist Weinen. Weinen und Flehen. Verzweiflung. Tränen. Ich höre sie zu Boden fallen wie ein grauenvoller Regen. Aber ich kann sie nicht länger fühlen. Die Tränen zerplatzen auf dem siedenden Boden wie zartes Glas; ich kann keine von ihnen auffangen. Die Stimme wird immer entsetzter, auch wenn ich weit jenseits von Worten bin. Eine immense, verzweifelte Liebe schreit aus ihr, so stark und so zerrüttet, dass sie droht, die Stimme zu bersten. Ich höre sie, aber ich verstehe nicht. Ich nehme die Stimme wahr, aber nicht ihre Bedeutung. Ich kann Liebe wahrnehmen aber ich kann sie nicht aufnehmen. Die Stimme kann verdorren wie frisches Grün in einer Feuersbrunst oder sich erhalten und erstarken bis ans Ende aller Zeit. Es macht für mich keinen Unterschied.



Wir sind eins. Mein Schatz, ich fühle wie die Allmacht unserer Verbindung jede Faser meines Seins durchströmt. Die Kraft eines jeden Atemzugs genügt um mir alles, das je geschaffen ward, Untertan zu machen. Das Feuer, es folgt meinem gehauchten Befehl. Gemeinsam mit dir kann ich Flammen und Hitze wie an Fäden führen. Gemeinsam sind wir unbesiegbar. Ich fühle wie Feuer statt Blut durch meine Adern fließt. Du bist mein!



Halt!



Ich wurde erblickt. Seht mich an, Narren des Dunklen Turms! Blutrotes Auge, nun brennend vor Besessenheit und Hass, sieh mich hier an dem Ort, an dem Schicksal entschieden wird! Oh, ich sehe, wie deine Blindheit die grämt, dich verbrennt mit deinem eigenen Feuer. Dem Kätzchen hast du deinen verruchten Blick geschenkt, während der Panther sich in deiner Abwesenheit mitten in dein Herz fraß. Ah, wie genussvoll ist die Reue und der Zorn eines solchen Versäumnisses! Sieh mich an, Sklave des Einen, erblicke deine Torheit und sei bereit bitterst für sie zu bezahlen; denn vom ersten Tage an, an dem ich ihn besaß, so weißt du, hatte ich die Macht dich deines rostigen Thrones zu entledigen. Tief in mir, schlafend womöglich, aber dennoch präsent. Und du wirst dafür bezahlen, sie geleugnet zu haben! Ihr alle werdet bezahlen!



Halt! Was geschieht? Er ist hinter mir, auf mir, über mir! Verdorbene Kreatur, verflucht sei der Tag an dem ich zum ersten Mal Hand an ihn legte! Ich sehe seine Augen, er ist getrieben vom tödlichsten aller Verlangen, dem Fluch! Der Fluch kommt über ihn.


Nein! Seine Hände wie schreckliche Knochen durchbohren mich. Deine Kraft, mein Schatz, deine Kraft kann uns bewahren. Ah, dieses Verlangen in seinem zerstörten Herzen, wie ich es fühle und genieße. Doch nein, er hat mich, was ist geschehen? Blanke Zähne in weißem Fleisch. Ein Schrei, ahh, Verlangen, Begierde, Zorn. Was habe ich nur getan? Welchen Pfad bin ich nur so weit gefolgt, dass es keine Umkehr mehr gibt? Dieser Schmerz! doch ich verdiene ihn.



'Mein Schatzzzz…!' Seine Schreie und sein wildes Tanzen. Ein Tanz am Rande des Schicksals. Ein Tanz von Begierde und Verzweiflung. Die Luft singt ein Lied über das Ende allen Schicksals.


'Oh, mein Schatzzz!'


Ich habe allen Schmerz verdient.



'Er ist zu uns zurückgekommen, oh ja der Schatzzzz....!', schreit er und tanzt mit dem Feuermeer. Ich fühle, wie wir gemeinsam in die flammengespickte Tiefe sinken; er umklammert mich wie einen Geliebten, hält fest an mir und dem letzten Stück Fleisch, das er jemals fühlen wird.


Ich habe es verdient, in der Finsternis des Schicksals zu vergehen, denn nichts war von Beginn an böse, nicht einmal der Dunkle Herrscher. Nichts war von Beginn an böse - nichts außer mir.



Noch immer höre ich Schmerz von oben, einen großen Verlust und eine große Erleichterung. Noch immer höre ich Verlangen und Verzweiflung an meiner Seite. Endloser Brand umgibt mich, die Luft singt ein Lied von Feuer.


Ich habe bezahlt, mein Schatz, doch bleibt mir eine letzte Gewissheit, die mein schwarzes Herz befriedigt. Ich weiß, du wirst niemals wieder eins mit deiner Seele sein, nicht ohne mich, deinen Schatz ...



Grausame Flammen umfangen mich zärtlich. Ihr Stimmen flüstern beruhigend von Schmerzen und Tod.


Ich sehe und höre nichts mehr.



Ende