Geschichten aus Mittelerde

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Das Band, das uns verbindet

von Lily Dragonquill

Krickloch

Peregrin hatte sich seinen Umhang genommen und war vor die Eingangstüre Kricklochs getreten. Er hatte gehofft, so den noch ausstehenden Vorbereitungen zu entkommen und hier draußen auf seinen Vetter zu treffen. Diesen fand er auch, als er den grünen, vom Sternenlicht beleuchteten Pfad entlang lief. Er saß auf einer Bank, die inmitten des Gartens aufgestellt worden war und schien tief in Gedanken, wie so oft in letzter Zeit. Silbernes Mondlicht beschien seine blassen Wangen und dunkle Locken verhüllten wehmütige Augen.


"Frodo?", fragte Pippin sanft, doch der ältere Hobbit schenkte ihm keine Antwort und seine Augen blickten weiterhin trüb in die Ferne. Schweigend setzte sich der junge Tuk neben seinen Vetter, richtete seinen Blick zu den Sternen. Im Gegensatz zu Pippin war Frodo schon immer nachdenklich gewesen und seit er sich entschlossen hatte, das Auenland zu verlassen, schien er verschlossener denn je.


"Du wusstest schon lange um den Ring und meine Pläne. Möglicherweise liegt deine Entscheidung mir zu folgen ebenfalls eine lange Zeit zurück. Jetzt hast du die Schwarzen Reiter gesehen, sahest einen Teil der Gefahr, die vor mir liegt. Du weißt, ich würde dich niemals darum bitten, doch bist du noch immer gewillt mir zu folgen?


Pippin war überrascht sowohl Sorge als auch eine heimliche Bitte in der Stimme seines Vetters zu hören. Noch verwunderter war er, als er bemerkte, dass Frodos tiefen, blauen Augen direkt in die seinen blickten. Für einen kurzen Augenblick fühlte er sich bloßgestellt und wandte verlegen den Blick ab. Wusste sein Vetter, wie ängstlich er war? Hatte er bemerkt, dass er nicht mehr so unbeschwert war, wie zuvor? Zögernd hob Pippin schließlich den Kopf, um Frodos eindringlichem, neugierigem Blick zu begegnen. Mit dem, was er in den Augen seines Vetters sah, hatte er jedoch nicht gerechnet und er schnappte erschrocken nach Luft. Es schien ihm, als entblöße sich Frodos Seele vor seinen Augen. Er konnte seine Ängste sehen, seine Sorgen, die Liebe, die er für sein Zuhause - sowohl das Land, als auch die Bewohner - empfand und den Schmerz, den es ihm bereitete, all dies zurückzulassen. Denn obwohl Frodo noch immer in Bockland war, hatte er das Auenland bereits verlassen. Tief in seinem Herzen hatte er Abschied genommen, hatte geliebte Erinnerungen verschlossen und einen Keim der Hoffnung gepflanzt, auf dass er eines Tages zurückkehre. Pippin sah Frodos Unsicherheit, doch auch seine Entschlossenheit. Frodo erlaubte ihm, all das wahrzunehmen und noch mehr. Er hatte gesagt, er bitte ihn nicht darum, mit ihm zu kommen und Pippin wusste, dass Frodo daran fest hielt, doch er sah auch die Freude und Erleichterung, die es seinem Vetter bringen würde, sollte er nicht alleine gehen müssen.


"Ich bin bereit, dir zu folgen - jetzt vielleicht mehr, denn je. Du bist mein Vetter, Frodo, und einer meiner liebsten Freunde. Ich würde dir überallhin folgen, ganz gleich, ob uns Gefahr droht, oder nicht." Obwohl seine Stimme leise klang, sprach Pippin aus tiefstem Herzen und er sah in Frodos Augen, dass sein Vetter um die Ehrlichkeit seiner Worte wusste. Liebe und Bewunderung schimmerten in den tiefen, dunklen Augen Frodos, als ein leiser Seufzer der Erleichterung seinen Lippen entwich. Pippin konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. "Außerdem sollst du nicht glauben, du könnest ohne mich ein Abenteuer erleben", ließ er ihn wissen.


Frodo lächelte. "Nein, das kann ich gewiss nicht", lachte er, legte einen Arm um Pippins Schultern und zog den jungen Hobbit näher zu sich.


Als Pippin die Freude in Frodos Augen erkannte und bemerkte, dass der dunkle Schatten der Nachdenklichkeit aus seinem Blick wich, begann er zu kichern.


"Lass uns zu Bett gehen. Morgen werden wir unsere Kräfte brauchen."


Kaum hatte er das gesagt, richtete sich Frodo auf, rückte seinen Mantel zurecht und blickte zu dem kleinen Haus, das nur für diese eine Nacht sein Zuhause sein sollte. Pippin betrachtete ihn einen Augenblick länger, unsicher, ob er nun überrascht sein sollte, ob der plötzlichen Stimmungswandlung seines Vetters, oder nicht. Das Licht der Sterne leuchtete in den Augen des älteren Hobbits und auch wenn diese noch immer dunkel und geheimnisvoll waren, offenbarten sie nicht länger Frodos Herz und seine Seele und das beruhigte Pippin. Er musste zugeben, dass er sich doch ein wenig unwohl gefühlt hatte, soviel Emotion auf einmal wahrzunehmen.


Erst als er Frodo in sich hineinlachen hörte, fiel Pippin auf, dass er herzhaft gähnte. Sein Vetter hatte Recht, sie brauchten ihren Schlaf, so lange sie ihn noch bekommen konnten. Entschlossen sprang Pippin auf die Beine und erlaubte Frodo einen Arm um seine Schultern zu legen, als sie rasch zu dem kleinen Haus zurückliefen und, für den Augenblick, alles Dunkel und jegliche Sorgen, die sie erwarten mochten, aussperrten.