Geschichten aus Mittelerde

Das neue Archiv für Fanfictions rund um Tolkiens wunderbare Welt!

Unbreak my Heart
by Valinja

Chapter #1

Ein kühler Wind streicht durch meine Haare, als ich am Hafen stehe und beobachte wie das Schiff ablegt. Regen fällt vom dunklen Himmel. Ich ziehe meinen Mantel fester um mich, denn ich friere, obwohl es nicht kalt ist. Ich wollte diesen Abschied nicht und ich will ihn immer noch nicht. Es schmerzt mich, dich gehen zu lassen. Warum nur?


~~~


Es fing an vor Jahren.


Ich wuchs als wohlbehütetes Kind in dem Gasthaus meiner Eltern auf. Nein, wir waren nicht reich, doch genauso wenig waren wir arm.


Viele Abende verbrachte ich im Schankraum. Die Leute mochten mich und ich fühlte mich dort wohl.


Als ich älter wurde, half ich hinter dem Tresen und bediente die Gäste. Meine Eltern wollten, dass ich das Gasthaus nach ihrem Tode übernehmen sollte. Nach meinen Wünschen fragte mich niemand.


Meine Mutter nannte mich immer ihre „kleine Rose“, denn ich erblühte zu einer der schönsten jungen Frauen, die das Dorf je gesehen hatte. Viele sagten dies. Ich tat es jedes Mal mit einem Lachen ab.


Dafür sprachen jedoch die vielen Verehrer die ich hatte. Doch ich würdigte sie nie eines Blickes. Die meisten krochen regelrecht zu mir heran, brachten mir Blumen und andere Geschenke, doch ich wollte nicht heiraten. Ich wollte warten. Ich wusste, der Richtige würde kommen.


Und dann kamst du.


Elben verirrten sich selten in unser Gasthaus und wenn, dann verschwanden sie so schnell, wie sie aufgetaucht waren. Ich hatte Angst vor ihnen. In den Dörfern kursierten die schrecklichsten Geschichten, die schon kleinen Kindern erzählt wurden. Niemand wollte, dass Elben lange blieben. Und die meisten von ihnen spürten dies.


Doch du warst anders. Ich bemerkte es, als du das erste Mal durch die Türe tratst, voller Anmut. Unter deinen langen blonden Haaren, die dein ebenmäßiges, feinknochiges Gesicht umrahmten, blitzten die spitzen Ohren hervor. Mit deinen blauen Augen, so tief wie das Meer, sahst du mich an. Ich war verloren in dem Augenblick, in dem ich zum ersten Mal in sie sah. Und mein Schicksal war besiegelt, als du lächeltest.


Du bestelltest Wein. Hätte nicht allein dein Anblick gereicht mich zu verzaubern, wäre es spätestens beim Klang deiner Stimme um mich geschehen gewesen. Den ganzen Abend, den du hier verweiltest, konnte ich meine Augen nicht mehr abwenden von dir. Meine Ohren konnten nicht mehr weghören. Deine Ausstrahlung hielt mich gefangen.


Das war unsere erste Begegnung. Viele weitere folgten, denn dein Weg führte dich oft durch das Dorf, in dem ich lebte. Und jeder Abend verlief wie der Erste. Ich wurde nie müde, dich zu beobachten und deine Stimme zu hören. Und ich fragte mich, wann du mich endlich bemerken würdest.


Es war eine warme Nacht im Juli, als ich mit einer Laterne auf die Wiesen ging, um alleine zu sein. Schon den ganzen Tag war mir schlecht gewesen. Nun wollte ich nachdenken, ich brauchte Ruhe. Doch all dies bekam ich nicht. Stattdessen bekam ich dich.


Ich erreichte den Ort, der bis dahin mein Platz gewesen war. Ich hatte mich immer dorthin zurückgezogen. Niemand wusste davon. Doch du warst da.
Zum ersten Mal nahmst du mich wirklich wahr.


Mir wollten die Beine nachgeben, als ich dich bemerkte, doch schneller als dass ich zu Boden fallen konnte, warst du bei mir und hieltest mich fest. Wir waren uns so nahe, dass ich deinen Duft roch und dein Herz schlagen fühlte. Ich wollte, dass dieser Augenblick ewig währte.


Von da an besuchtest du unser Gasthaus noch öfter und oft lagen wir zusammen auf der Wiese unter dem freien Himmel beieinander. Es brauchte kaum Worte, denn jeder wusste, wie der andere fühlte. Zwei Herzen die im gleichen Takt schlugen.


Ich erinnere mich noch genau an diesen einen Abend.
Wieder lagen wir auf der Wiese, eng umschlungen. Der volle Mond schien in seiner ganzen Pracht auf uns herab, die Sterne funkelten und glitzerten am Firmament. Tränen liefen mir über die Wangen. Deine Liebe kam mir plötzlich so unwirklich vor. War ich es überhaupt wert, von jemand so erhabenes, edles wie du es warst geliebt zu werden?


Du wusstest, was ich dachte und zeigtest mir meinen Wert. Du sagtest, dass ich dir mehr bedeute als die ganze Welt. Ich wusste, ich konnte dir glauben. Ich wusste ich konnte dir Vertrauen.


Du küsstest meine Tränen fort. Ich spürte wie deine weichen Lippen mein Gesicht berührten und schließlich die meinen fanden. Und ich versank in deiner Umarmung, verlor mich in dem Kuss. In diesem Moment gehörte uns die Ewigkeit.


Du vergrubst dein Gesicht in meinen langen, dunklen Haaren, die du so liebtest, und es entlockte dir einen Seufzer. Ich glaubte, die Götter waren mit uns und unserer Liebe.


Deine langen Haare kitzelten meinen Nacken, als du mich von hinten umarmtest und zahlreiche Küsse auf meinem Nacken platziertest. Jeder einzelne brannte wie ein kleines Feuer. Du lachtest, als ich unter deinen Berührungen erschauderte. Doch ich konnte nichts dagegen tun. Jede einzelne ließ mich dahin schmelzen. Du wusstest es.


Und du wusstest, dass ich dich wollte. Ich schloss meine Augen und vertraute mich dir an. Ich ließ mich in deine Arme fallen und schenkte dir mein Herz.


In dieser Nacht besiegelten wir endgültig unsere Liebe. Haut lag auf Haut. Wir waren ein Wesen, verschmolzen miteinander – ineinander, ließen uns von unserer Leidenschaft hinfort tragen.


Tausende Küsse, tausende zarte Berührungen. Ich spürte deine weiche Haut und wollte dich nicht mehr loslassen.


Unsere Hände berührten sich. Immer noch kribbelte es, immer noch so, als wäre es das erste Mal, dass sie sich fanden.


Doch irgendwann kam das letzte Mal.


Immer dann, wenn man etwas festhalten möchte, dann zerrinnt es wie Sand zwischen den Fingern. Und je mehr man sich widersetzt, desto schneller geht es.


Dich erreichte der Ruf der See. Es zog dich nach Westen, in die Unsterblichen Lande. Und ich war machtlos. Vielleicht hättest du bleiben können. Doch anders als du war ich sterblich. Wenn ich den Tod fände, wäre es auch der deine. Und weil ich dich so liebte, ließ ich dich gehen. Man kann Dinge halten, doch genauso muss man sie loslassen können.


~~~


Und jetzt stehe ich hier an den Grauen Anfurten, wo du mich verlassen wirst. Ich kann nicht zum Schiff gehen und dir 'Lebwohl’ sagen, ich bringe es nicht über mein Herz. Und so sehe ich nur von weitem, wie das Schiff ablegt und sich die Segel im Wind wölben.


Der Himmel ist dunkelgrau, der Regen verstärkt sich. Durchnässt liegen meine Haare auf meiner Haut.


Langsam gleitet das Schiff vom Ufer weg, wühlt das dunkle Wasser auf. Ich sehe Personen an Bord stehen. Bist du darunter? Siehst du mich ein letztes Mal? Es zerreißt mein Herz.


~*~


Don't leave me in all this pain, don't leave me out in the rain.


Doch du tust es. Du kannst es nicht mehr verhindern. Der Himmel weint über unseren Abschied. Niemand kann mir meinen Schmerz erleichtern.


Come back and bring back this smile, come and take the tears away.


Immer noch sehe ich dein Lächeln, spüre wie du meine Tränen wegküsst. Ich will es wieder sehen. Ich will es wieder spüren. Doch du bist unerreichbar.


I need your arms to hold me now! Nights are so unkind.


Wie gerne läge ich noch ein einziges Mal in deiner Umarmung. Ich möchte deine Arme um mich herum spüren, dein Lachen hören - ein Wunsch, der nie in Erfüllung gehen wird.


Bring back those nights, when I held you beside me.


Lass mich noch einmal unsere Nächte erleben. Lass uns noch einmal nebeneinander liegen, unsere Herzen noch einmal im gleichen Takt schlagen. Ich will dich für immer in meinen Armen halten.


Unbreak my heart, say you'll love me again.


Sag es, sag es noch einmal. Ich will deine Stimme hören, so sanft und melodisch, wenn du mir sagst, dass du mich liebst, denn ich weiß, dass du es tust - auch jetzt noch.


Undo this hurt you caused when you walked out the door and walked out of my life.


Du verursachst meinen Schmerz, du könntest ihn hinfort nehmen. Doch du entfernst dich immer weiter von mir. Mein Herz zieht sich zusammen, als ich erkenne, wie unerreichbar du nun für mich bist. Nie wieder werde ich dich sehen.


Uncry these tears, I've cried so many nights.


Ich will nicht weinen, doch die Tränen strömen nur so dahin. Es wird nicht aufhören. Ich werde weinen, bis ich nicht mehr kann. Meine Tränen sind so salzig, wie das Wasser, auf dem du segelst, weg von diesen Gestaden, weg von mir.


Unbreak my heart... my heart...


Doch es ist zu spät. In dem Moment in dem du fortgingst, in dem Moment an dem ich dich aus Liebe gehen ließ, in dem Moment zerbrach mein Herz.


~*~


Jetzt bin ich allein. Du bist fort.


Wer sagt, dass nur Elben an gebrochenen Herzen sterben? Wer sagt, dass Menschen dies nicht können?


Brich mir nicht das Herz ... doch du hast es getan, auch wenn du es nicht wolltest.


Ich schließe meine Augen – für immer.


ENDE


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