Geschichten aus Mittelerde

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Published: 08.08.2019

Seltsame Schicksale
by Tehta

Die Einladung, wenn sie als solche bezeichnet werden konnte, schien reichlich schlicht.

An Salgant, Fürst des Hauses der Harfe
Sucht mich in meiner privaten Schmiede auf.
Maeglin Lomion Eolion, Fürst des Hauses des Maulwurfes; Enkel von Fingolfin, Hochkönig der Noldor; Oberster Schmied der Stadt der Vielen Namen etc. etc.

Vielleicht war sie sogar ein bisschen zu schlicht: sie erwähnte weder die Zeit des Treffens, noch den Zweck. Salgant stellte die Notiz vor seinen Teller, wo er fortfahren konnte, sie misstrauisch zu beäugen, während er sich einen weiteren Räucherhering einverleibte.

Konnte es wegen dieses „Ein Maulwurf in seinem Loch“ sein? Er hatte gewusst, dass dieses Lied ein Fehler gewesen war, schon als die erste halb ausformulierte Zeile seinen Lippen entglitten war. Aber mehrere seiner Gäste hatten sie so zufriedenstellend amüsant gefunden, dass er nicht das Herz gehabt hatte, aufzuhören. Glücklicherweise schien es unwahrscheinlich, dass es irgendjemand gewagt haben könnte, diesen Scherz mit Maeglin zu teilen, und unvorstellbar, dass Maeglin so gelassen reagiert haben könnte, vor allem, wenn man bedachte, was das Lied über seine Mutter angedeutet hatte.

Dann könnte die Einladung also eine Geste des guten Willens sein: ein Beweis dafür, dass die harte Arbeit, die Salgant darin investierte, Maeglin zu gefallen – das ausgeklügelte Schmeicheln, das unterwürfige Verhalten – sich auszahlte. Das wären höchst willkommene Neuigkeiten, nicht nur, weil Maeglin eines Tages so wichtig sein würde wie jene kunstvolle Signatur implizierte, sondern weil Salgant die Gesellschaft des Jungen fast genoss. Um jemanden herum zu sein, der vom Glück so gesegnet und selbst doch so bekümmert war, lenkte Salgants Sinn von seinen eigenen Unzulänglichkeiten ab, während das Bewusstsein, dass seine Liebedienerei Maeglin aufheiterte, ihm das Gefühl gab, von Nutzen zu sein.

Eins war sicher: gleichgültig, was der Zwecke dieser Notiz war, ihr musste gehorcht werden und zwar bald, denn Maeglin hasste es, wenn man ihn warten ließ. Salgant beschloss, ihm gleich nach dem Frühstück einen Besuch abzustatten.



Die Schmiede Gondolins, die es vorzogen, ihre feine Arbeit in gut beleuchteter Umgebung zu tun, waren reichlich froh gewesen, die finsterste ihrer Schmieden dem jungen Prinzen abzutreten. Maeglin hatte den Ort noch weiter verdunkelt, indem er einige der Fenster übermalte und die Ausstattung neu arrangierte, damit sie dem angeblich effizienteren System seines Vaters entsprach. Gewöhnlich fand Salgant diesen Versuch, das Zuhause der Kindheit wiederherzustellen, amüsant oder berührend, je nach seiner eigenen Stimmung.

Heute fand er es ein wenig verstörend. Der Raum, den er betrat, erschien zunächst pechschwarz, mit Maeglins bleichem Gesicht als dem einzig hellen Fleck. Als Salgants Augen sich an die Dunkelheit gewöhnten, sah er noch einen weiteren: ein goldenes Funkeln auf der Werkbank, über die sich Maeglin mit Werkzeugen in der Hand beugte. Doch bevor Salgant das goldene Objekt weiter untersuchen konnte, schob Maeglin es beiseite und trat hinter der Werkbank hervor. Sein langer dunkler Umhang wehte hinter ihm her wie ein lebender Schatten. Salgant, der solche dramatisch fließenden Gewänder nicht tragen konnte ohne pummelig auszusehen, verbarg seinen neidischen Seufzer, indem er sich tief verbeugte.

„Guten Morgen, mein Prinz. Eure Einladung ehrt mich“, sagte er. „Es ist in der Tat eine höchst glückliche Fügung, da ich gerade ein Lied komponierte, das für Euch von Interesse sein könnte: eine Ode, in der ich das Zwielicht aufs Äußerste preise, indem ich es mit Eurer lieblichen Mutter vergleiche.“

„Ja, Mutter war lieblich, nicht wahr?“ Maeglins Ton zeigte gleichzeitig Zustimmung und Unzufriedenheit über Salgants Ehrung. „Aber ich bin an Eurer Ode nicht interessiert. Mutter sagte stets, dass Eure ernsthaften Kompositionen schwach und langweilig seien und ich stimme ihr zu. Ich könnte jedoch davon überzeugt werden, Euren leichteren Stücken zu lauschen, solchen wie Euren Satiren über Ecthelion.“

Obwohl die Kritik Salgant tief verletzte, linderte der letzte Kommentar die Wunde. Sich über Ecthelion lustig zu machen, war immer wohltuend. Es fühlte sich an wie ein Ausgleich für den ungerechten Überfluss an musikalischen und anderen Talenten, die sein Rivale bei der Geburt erhalten hatte. Und doch klang Maeglins Anliegen zu gut, um wahr zu sein.

„Warum Ecthelion?“, fragte Salgant. „Ich dachte, Ihr beide seid ganz gut befreundet.“

„Befreundet? Vielleicht. Freundschaft hat er sicherlich genug vorgetäuscht. Zumindest bis ich seinen verräterischen Plan, meine Cousine zu heiraten, entdeckt habe.“

„Eure Cousine, mein Prinz? Herrin Idril? Aber-“ Der Gedanke an das Publikum, das Ecthelion als Gefährte von König Turgons einziger Tochter anziehen würde, ließ Übelkeit in Salgant aufsteigen. Und doch war Maeglins Ankündigung nicht unwahrscheinlich; Ecthelion besaß sicher genug Arroganz, um einem so hochgeborenen Mädchen den Hof zu machen. „Aber das ist entsetzlich, wirklich entsetzlich. Ich gehe davon aus, sie ist bereit dazu? Wie schade, dass Eurer verehrter Onkel immer gesagt hat, seine Tochter sei frei zu heiraten, wen immer sie sich erwählt.“

Maeglins Augen glühten wie Kohlen. Obwohl ihnen das Licht der Bäume fehlte, schien ihr tiefes Glimmen schmerzhafte Löcher in Salgants Seele zu brennen. Salgant beeilte sich, seinen dummen Fehler wieder gut zu machen und stolperte über seine Worte.

„Bitte vergebt mir, mein Prinz. Mein Verstand ist nicht so schnell und scharf wie der Eure. Ich weiß, dass dies nicht geschehen darf. Und wenn Ihr glaubt, dass meine Satiren helfen könnten, ihn in ihren oder des Königs Augen zu diskreditieren, dann werde ich-“

„Seid nicht töricht. Ich glaube nichts dergleichen. Seit Jahren versucht Ihr, Ecthelion zu verleumden und in all der Zeit ist das Beste, was Euch eingefallen ist, dass er die emotionale Tiefe eines Holzklotzes hat. Was nicht ausreicht für unsere Zwecke, da Idril eindeutig-“ Maeglin blickte zu seiner Werkbank und blinzelte ein paar Male wie ein tapferes Kind, das versuchte, nicht über ein aufgeschürftes Knie zu weinen. Dann verhärtete sich sein Gesicht. „Aber ihre Gefühle sind irrelevant; wir müssen diesem Unsinn ein Ende setzen, zu ihrem eigenen Wohl. Wenn Ihr mir erzählt, was Ihr über Ecthelion über die Jahrhunderte erfahren habt, wird es mir vielleicht möglich sein, einige hilfreiche Details zu erkennen, die Ihr übersehen habt.“

Das war eine großartige Gelegenheit, eine Chance für Salgant, sich als nützlicher zu erweisen als irgendeiner von Gondolins beliebteren Fürsten, denn sicherlich hatte keiner von ihnen seinen Rivalen so genau studiert wie er.

„Mein Prinz, ich werde entzückt sein, Euch alles zu erzählen, was ich weiß. Zunächst sind da seine sogenannten Tugenden: Mut, Fleiß, Selbstbeherrschung, was kostbare Juwelen betrifft. Aber das ist alles Allgemeinwissen, die Grundsteine, auf denen er seinen hieb- und stichfesten Ruf zu bauen pflegte. Dann gibt es noch sein Interesse an der Kriegskunst, das eher übertrieben wirkt, bedenkt man, wie sicher wir hier unter der Führung Eures Onkels sind, und-“

„Ja ja ja. Alles oberflächliche Details. Wir müssen tiefer graben.“ Maeglin schritt den Raum auf und ab und sein schattenhafter Umhang schleppte treu hinter ihm her. „Angesichts dessen, wie gut er seine politische Ambitionen und… Heiratspläne verschleiert hat, scheint es einleuchtend, dass er noch sehr viel mehr unter dieser seiner falschen Maske verbirgt. Vielleicht stiehlt er routinemäßig Geld oder Vorräte der Wache oder tritt seinen Hund, wenn er ärgerlich ist. Ich weiß, wie Idril das hasst.“

„Er hat keinen Hund.“

„Ihr wisst, was ich meine! Habt Ihr jemals irgendeine Möglichkeit der Erkundung ausprobiert, die über Belauschen allgemeinen Geschwätzes hinausgeht?“

„Aber natürlich, mein Prinz. Ich habe viele Versuche unternommen, jenen, die ihn am besten kennen, Informationen zu entlocken, aber das hat sich als schwierig erwiesen. Seht Ihr, er hält seine Gefolgsleute an sehr kurzen Zügeln. Meine Spione sind verflucht und mit Sippenschlägerei bedroht worden, als sie Behauptungen aufstellten, die nur sehr allgemein abschätzig waren. Auch ich selbst bin schwer beleidigt worden: ein gewisser Hauptmann Elemmakil hat mich darüber informiert, wohin ich meine Harfe zu stecken hätte.“

„Wohin?“

Hatte Maeglins unkonventionelle Erziehung keinerlei Unterweisung in niederem Humor beinhaltet? „Äh, an einem von Anars Strahlen unberührten Platz.“

„Was? In einem Wald wie jenem meines Vaters?“, fragte Maeglin. „Diese Anti-Sindar-Scherze sind so witzlos wie sie brüskierend sind.“

Salgant gab auf. „Ja, mein Prinz. Das sind sie wirklich. Auf jeden Fall habe ich meine Spione ebenfalls angewiesen, seine Gespräche zu belauschen. Nun ist dies überraschend einfach, da er es vorzieht, sich mit anderen an relativ öffentlichen Plätzen zu treffen: in Höfen, Speiselokalen und dergleichen. Wie dem auch sei, die Themen, die er wählt, sind gewöhnlich seriös bis hin zur Langeweile.“

Maeglin hörte auf, umherzulaufen und zwinkerte. „Das klingt genau wie das Benehmen eines Mannes, der entschlossen ist, über jeglichen Verdacht erhaben zu bleiben, nicht wahr? Ich frage mich… lässt er seinen Schutz jemals fallen – wenn er betrunken ist vielleicht?“

„Er ist selten betrunken, alle fünf Jahre oder so, und selbst dann bleibt er langweilig. Alles, was er zu tun scheint, ist Singen. Nicht diesen historischen, epischen Kram, den er so mag, sondern sentimentalen Blödsinn über die Bindungen, die zwischen Waffenbrüdern existieren. Gemeinsam dem Tod ins Gesicht sehen und so etwas. Die Männer scheinen sich daran zu erfreuen, sie fallen oft mit ein. Allerdings verdächtige ich ihn manchmal, dass er Trunkenheit vorgibt in dem Versuch, Krieger für diese irrsinnigen, unnötigen Trainingsprogramme zu rekrutieren, die er mit Glorfindel aufstellt.“ Salgant erschauerte bei der Erinnerung an diese verabscheute, klare Stimme, die durch den Alkoholdunst der Krieger schnitt und sie dazu brachte, beim ersten Hahnenschrei aufzustehen. „Das Hauptproblem an meiner Theorie ist, dass Glorfindel, anstatt ihn zu ermutigen, es sehr eilig zu haben scheint, ihn nach Hause zu bringen.“

„Ah ja. Glorfindel.“ Maeglin brachte den Verschluss seines Umhangs wieder in Ordnung. „Er ist ein Verwandter von Idril, wie Ihr wisst. Ich wäre nicht überrascht, wenn er derjenige wäre, der die Angelegenheiten zwischen ihr und seinem engen Freund irgendwie arrangiert hätte, um seine eigenen Ambitionen voranzutreiben.“

Es ergab Sinn: um einander diskret zu umwerben, würden Ecthelion und Idril einen Vermittler brauchen. „Ihr seid weise, mein Prinz“, sagte Salgant. „Ich habe lange gespürt, dass Ecthelion und Glorfindel etwas häufiger private Besprechungen abhalten, als ihre Arbeit verlangt. Wenn sie sich aus unschuldiger Freundschaft heraus treffen, warum gehen sie dann nicht in eine Schänke?“

„Wir sollten in der Lage sein, es herauszufinden.“ Maeglin warf Salgant einen scharfsinnigen Blick zu. „Zufällig weiß ich, dass sie sich morgen in Glorfindels Haus treffen wollen, direkt vor dem Rat. Angeblich, um die Kriegsspiele zu diskutieren, aber wer weiß.“

„Wenn wir sie dort doch nur ausspionieren könnten! Unglücklicherweise, mein Prinz, ist Glorfindels Haus eine private Wohnung.“

„So?“

„Nun, ich weiß nicht, wie es beim Volk Eures Vaters ist, aber in dieser Stadt neigen die Leute dazu, ihre Türen zu verschließen.“ Salgant wählte seine Worte mit Bedacht; Maeglin etwas zu erklären, war stets ein wenig riskant. „Ich vermute, sie misstrauen ihren Nachbarn – eine traurige Erläuterung zum Zustand der verderbten Arda. Wenn das nicht der Fall wäre, hätte ich Ecthelions Habseligkeiten schon vor langer Zeit nach belastenden Beweisen durchsucht.“

„Und es sind bloße Schlösser, die Euch zurückgehalten haben? Im Gegensatz zu dem, was Ihr glaubt, wusste mein Vater mehr über Schlösser als irgendein Schlosser in Gondolin.“

„Ich bin sicher, das tat er, mein-“

„Es gab ein Spiel, das wir oft zusammen spielten.“ Zu Salgants Erleichterung sah Maeglin nicht verärgert aus. Stattdessen umspielte ein schwaches, nostalgisches Lächeln seine Lippen. „Es betraf Schlösser. Wisst Ihr, Vater mochte es, Dinge einzuschließen – meine Spielsachen, Bücher, manchmal sogar mich selbst. Meine Rolle in diesem Spiel war, herauszufinden, wie ich die Schlösser öffnen konnte, ohne sie zu beschädigen. Als ich älter wurde und besser in dieser Kunstfertigkeit, wurden die Mechanismen, die er gebrauchte, komplexer. Schließlich gewann ich das ganze Spiel natürlich – er hatte nie erwartet, dass ich seinen Schwertkasten öffnen würde.“ Maeglin langte hinab, um den Griff seiner Waffe zu tätscheln. „Jedenfalls glaube ich sagen zu können, dass die Schlösser in Gondolin ein Kinderspiel für mich sind. Und das geradezu wörtlich. Tatsächlich kann das meiste mit wenigen speziellen Schlüsseln geöffnet werden.“

„Wirklich?“

„Oh ja.“ Maeglins träumerischer Ausdruck klärte sich und seine Schwerthand glitt seinen Gürtel entlang und schloss sich um einen dunklen, metallenen Gegenstand. „Aber ich glaube doch, es ist an der Zeit, dass ich gehe. Auf Wiedersehen, Salgant. Schließt hinter Euch ab.“ Mit einem dramatischen Schwung seines Umhangs schritt er zum Ausgang und hielt nur inne, um einen dunklen Gegenstand in Salgants Richtung zu werfen.

Obwohl Salgant einen Arm hochriss, um sein Gesicht zu schützen und sich zu ducken versuchte, traf das Ding ihn am Handgelenk, bevor es mit einem lauten Scheppern zu Boden fiel. Er suchte danach, während er sich zum Abschied verbeugte. Es war ein Schlüsselbund, an dem sich eine breite Auswahl von gewöhnlich aussehenden Schlüsseln befand.

Auch wenn Salgant keinen fliegenden Gegenstand ergreifen konnte, so konnte er doch auf jeden Fall einen Hinweis begreifen. Nachdem er die Tür abgeschlossen hatte, steckte er den Schlüsselbund in die Tasche.



Salgant verbrachte den Rest des Morgens abwechselnd damit, die Schlüssel an jedem Schloss in seinem Haus auszuprobieren – sie funktionierten perfekt – und sich über die Aufgabe, die Maeglin ihm gestellt hatte, zu sorgen. Um seine Nerven zu beruhigen, half ihm eine große Portion Pudding – wie auch der Gedanke, dass das Vorhaben, in ein Haus zu schleichen, um zwei äußerst muskulöse Krieger auszuspionieren, sich nicht so sehr davon unterschied, sie zu verpetzen, um sie zum Gegenstand eines geeigneten Scherzes zu machen. Und in keiner Weise war dieser Gedanke so erschreckend, als wenn er ihnen im Kampf gegenüber stünde. Er hoffte, dass das eine nicht zum anderen führen würde – aber sicherlich würde sich das Verprügeln des armen, mitleiderregenden Salgant, dessen einziger Wunsch es war, die Leute zu unterhalten, als unter der Würde eines wahren Kriegers erweisen.

Um auf der sicheren Seite zu sein, wartete Salgant, bis Glorfindel zum Mittagessen und die Straße vor seinem Haus leer war, bevor er sich der Tür näherte. Maeglins Schlüssel funktionierten wieder auf ihre magische Weise. Salgant trat in eine Wohnung, sehr ähnlich seiner eigenen, wo aber die Musikinstrumente und Kristallschalen voller kandierter Früchte durch scharfe Metallgegenstände und Tiegel mit Schwertfett ersetzt waren.

Zunächst beunruhigte ihn das Falsche an der Situation, aber nach einigen Momenten begann er, eine perverse kleine Spannung zu empfinden. Es war etwas Wunderbares dabei, die Freiheit zu haben, durch den Kram eines anderen zu wühlen, durch die Stapel von Büchern und verknitterter Kleidung, die von einem bewohnten Haus erzählten. Es war fast wie das Vergnügen, das man beim Lesen eines geheimen Tagebuches empfand. Salgant suchte sogar nach einem solchen zwischen den Büchern, aber die einzig interessanten Dinge, die er fand, waren einige, in Ecthelions sauberer Handschrift geschriebenen Notenblätter – welche er einsteckte für den Fall, dass sie irgendeine verborgene Botschaft enthielten – und ein Skizzenblock mit Zeichnungen von Duellen, Ringkämpfen und anderen athletischen Beschäftigungen, gefolgt von einer Serie anatomischer Studien. Gelangweilt warf er den Block zur Seite und suchte das Badezimmer auf, wo er an den Flaschen für Haarpflegemittel schnupperte und zu seiner Enttäuschung keinen Geruch nach Bleichmittel entdecken konnte.

Als er zurück in den Hauptraum ging und überlegte, sich ein weiteres Mal durch das Durcheinander von Papieren auf Glorfindels Schreibtisch zu arbeiten, hörte er ein bekanntes Knirschen: die untere Tür war gerade geöffnet worden. Er ertappte sich dabei, wie er unter einen nahe stehenden Tisch kroch, scheinbar ohne den Befehl seines panischen Verstandes.

Sein Versteck ähnelte dem Inneren eines sehr kleinen Armee-Zeltes: das Licht, das durch das gelbe Tischtuch hindurchsickerte, ähnelte dem Sonnenaufgang, der ihn viel zu rüde auf jedem Feldzug geweckt hatte. Und der bereits unter dem Tisch vorhandene Müll – ein merkwürdiger Lederhandschuh, ein öliger Schwertlappen, einige zerknitterte Pergamentstücke – glichen dem gewöhnlichen Militärmüll. Er erschauerte vor Ekel und wandte seine Aufmerksamkeit einer kleinen Ritze zwischen dem Tischtuch und der Wand zu. Wenn er sein Gesicht gegen den Verputz drückte, konnte er die Tür sehen und gerade jetzt einen kurzen Blick auf Glorfindel werfen, wie er in den Raum trat. Er konnte Glorfindels weiteren Weg verfolgen, indem er sich flach auf den Boden legte und dessen Stiefel verfolgte, die von einer warmen bräunlichen Schattierung waren, die Salgant an Karamell erinnerte.

Glorfindel verbrachte ein paar Momente damit, sich in den entfernteren Bereichen des Raumes zu bewegen, während er die ganze Zeit eine wohlbekannte fröhliche Melodie vor sich hin pfiff – und Salgant gewaltig ärgerte, indem er die kunstvollen Sätze nachlässig verschluckte. Dann kamen die Stiefel näher, Ärger wurde von Furcht abgelöst und dann von Panik, als das Tischtuch beiseite schwang. Glücklicherweise warf Glorfindel nicht einmal einen Blick unter den Tisch, als er weitere Papiere, einen Haufen Kleidung und einen Korb mit einem halb gegessenen Hühnchen darunter warf. Nachdem er sich von der schmutzigen Wäsche entfernt hatte, untersuchte Salgant den Vogel und fand ihn noch warm. Glorfindel musste sein Mittagessen abgebrochen haben, um sich für seine Machenschaften vorzubereiten. Es sah auch wie ein schmackhaftes Mahl aus, aber Salgant hatte keine Zeit, seine Theorie zu bestätigen, denn ein rhythmisches, exaktes Klopfen zwang ihn, zu seinem Türbeobachtungsposten zurückzukehren.

Einige Momente vergingen – genug, um ihn fürchten zu lassen, dass irgendetwas nicht stimmte – bevor Glorfindel blitzschnell wieder vorbeilief. Ecthelion folgte und hielt auf der Türschwelle inne, den Kopf zur Seite gelegt. Seine Haltung schien merkwürdig entspannt und seine Augen funkelten lebhaft; das war nicht der hölzerne Ecthelion aus Salgants Liedern.

„Ich dachte, wir sollten zuerst einen Blick auf die Karten werden.“ Glorfindel klang entfernt. Er war an der hinteren Wand und kniete vor einer großen Kiste, als ob er etwas herausholen würde. „Nur für den Fall, dass wir wieder unterbrochen werden.“

Ecthelion lächelte auf eine unschuldige Weise, die dennoch Komplizentum andeutete. „Gute Idee, obwohl ich es bezweifle, dass Maeglin mich sobald ausfindig machen wird.“

„Warum nicht? Und was wollte Finwes Großenkel gestern überhaupt?“

„Er hat es eigentlich nicht gesagt. Er hat mir einige merkwürdige Fragen gestellt, und dann…“ Ecthelion hob eine Augenbraue, ein Trick, den Salgant niemals fertig gebracht hatte. „Nun, ich denke, ich habe eine gute Vorstellung davon, was ihn beunruhigt, aber da es sowohl unbestätigt als auch persönlich ist, würde ich vorziehen, es mit ihm zu diskutieren, bevor ich meine Theorien mit dir teile.“

„Geht es um seine Mutter? Nur ein Scherz, ich verstehe.“ Glorfindel ging hinüber zum Tisch und warf etwas darauf, direkt über Salgants Kopf. „Armer Maeglin. Ich wünschte, ich würde ihn lieber mögen.“

„Ich mag ihn ganz gern. Aber warum so viele Karten?“ Ecthelion trat in den Raum, außerhalb von Salgants Blickfeld. Zum Glück waren seine Stiefel anders als Glorfindels: dunkel, fast schwarz. Sie hielten nah neben den karamellfarbenen an. „Oh, ich sehe, du hast bereits einige mögliche Szenarien entworfen.“

„Ja, ich habe sie letzte Nacht vorbereitet, um Zeit zu sparen.“ Glorfindel sprach über das Rascheln von Papier hinweg. „Ich schlage vor, wir setzen die Preisflagge in dieses Wäldchen. Das umliegende Gebiet ist abwechslungsreich und sollte einen interessanten Wettstreit ermöglichen.“

„Soweit es das betrifft, sieht es wie ein vernünftiger Platz aus, aber werden dort genügend passende Startpositionen für alle Mannschaften sein?“

„Ich denke schon. Sieh mal hier…“

Eine ausgedehnte Diskussion über ‚Zugangswege’, ‚Deckung’ und ‚Unterschlupf’ folgte. Jetzt, da er wusste, dass die geheime Unterredung hinterher stattfinden würde, fand Salgant das alles äußerst uninteressant. Es erinnerte ihn an jene dummen Kinderspiele über Elben und Orks, bei denen er letztendlich immer einen Ork spielte – teilweise, weil Glorfindel, einer der üblicheren Anführer der Mannschaften, oft gutmütig zustimmte, die orkische Seite einzunehmen und dann Salgant ebenfalls gutmütig für seine Mannschaft wählte, um ihm die Demütigung zu ersparen, als Letzter gewählt zu werden. Salgant fragte sich, ob irgendwer nicht bemerken könnte, dass solche offensichtliche Herablassung Groll auslösen würde.

„Glorfindel.“ Ecthelions Stimme klang merkwürdig schroff. Salgant bemerkte, dass er eine Weile lang nichts gehört hatte. Die beiden Stiefelpaare waren jetzt näher und standen so zusammen, als ob Glorfindel Ecthelion über die Schulter sehen würde. „Glorfindel, bitte. Ich versuche mich zu konzentrieren. Dass wir uns um die Kriegsspiele zuerst kümmern, war deine Idee – und nebenbei gesagt, eine gute.“

„Ah, aber wir sind fast fertig. Ich versuche nur, effizient zu sein. Jedenfalls, auf all diese Karten zu blicken erinnert mich an all die Nächte, die ich auf dem felsigen Boden der Vorberge schlafend verbracht habe. Er war deinem Bett sehr ähnlich, dieser felsige Untergrund.“

Salgant erinnerte sich, dass Ecthelion in einem typischen Anfall von vorgeführter Tugend Anspruch auf eines der plumpen Betten erhoben hatte, die in den Baracken gebraucht worden waren, als die Stadt gebaut wurde und bevor das Nachlassen der Moral bemerkt wurde. So war Glorfindels Kommentar insgesamt treffend, wenn auch ein bisschen nebensächlich.

„Niemand verlangt von dir, in meinem Bett zu schlafen.“ Ecthelion sprach sehr leise. Wahrscheinlich klangen seine Worte deswegen so merkwürdig, als ob die Betonung auf ‚schlafen’ und nicht auf ‚von dir’ gelegt worden war.

„Natürlich nicht. Eru behüte. Tugendhafte, unverheiratete Krieger wie wir müssen allein schlafen.“ Glorfindel seufzte. „Aber das macht nichts. Wenn du ehrlich glaubst, dass ein Ersetzen deines Bettes durch ein breiteres, vielleicht mit einem nützlichen, aus Leisten bestehenden Kopfende, Anlass zu Verdächtigungen geben könnte, dann ist es höchste Zeit, dass das alte einen kleinen Unfall hat.“

„Was für einen Unfall? Mein Bett ist hervorragend stabil.“

„Ich weiß. Ich dachte, ich könnte mit deinem neuen Morgenstern einige der Beine zerschmettern, wenn wir kämpfen.“

„Mmm. Aber sicherlich würde eine solch ungeschickte Tat, wenn sie von einem feinen Krieger wie Glorfindel von der Goldenen Blume begangen wird, ebenfalls verdächtig scheinen?“

„Ich nehme an, du hast Recht.“ Glorfindel klang irritiert. Ein solch intensives Interesse an dem Bett eines Freundes verwirrte Salgant, bis er sich an die Theorie erinnerte, dass Glorfindel der Verstand hinter der Ecthelion-Idril-Heirat war. In der Zwischenzeit fuhr Glorfindel fort. „Aber um zu den Kriegsspielen zurückzukommen, hast du noch irgendwelche Anmerkungen?“

„Nein, ich denke, wir sollten diese Pläne so übernehmen.“

„Dann ist das fertig.“ Glorfindels zufriedene Ankündigung wurde gefolgt von einem raschelnden Geräusch, das sich anhörte, als ob Karten aufgerollt würden.

„Aber, diese alte Rolle… Was tut die hier?“, fragte Ecthelion. „Es sieht aus wie eine Sammlung von… Ringkampf-Posen.“

„Ah, das! Das ist eine Vanya-Arbeit, die ich in der Abteilung für eheliche Gesundheit in der Bibliothek der Heiler gefunden habe. Ich wollte sie dir zeigen.“

Salgant konnte sich entsinnen, ähnliche Rollen in seiner Jugend gesehen zu haben; einige der gezeigten Stellungen sahen Ringer-Bewegungen wirklich ähnlich. Es amüsierte ihn, dass Glorfindel die Existenz dieser Rollen erst jetzt entdeckt hatte – und dass sein erster Impuls gewesen war, diese mit dem verklemmten Ecthelion zu teilen, der sicher der letzte Mann in der Wache war, diese gut zu heißen, Idril oder nicht Idril.

Ecthelion schien zuzustimmen. „Warum ausgerechnet mir? Ich meine… sieh dir all diese Frauen an!“

„Nun, ich dachte, es sei interessant. Einige dieser Zeichnungen zeigen Stellungen, die wir niemals-“

„Was mich betrifft, alle. Meinst du etwa, dass du-“

„Oh komm, Ecthelion, sei nicht so nüchtern. Das zugrunde liegende Prinzip ist das gleiche. In vielen Fällen ist nur eine kleine Anpassung notwendig. Sieh dir ‚Die Paarung der Spinne’ an. Oder ‚Der Hengst im Frühling’.“

„‚Der Hengst im-’, ‚Telperion erklimmend’? ‚Das Vermischen der Lichter’? Wer hat all diese Beschreibungen ersonnen, Salgant?“

Salgant hatte diese poetischen Namen tatsächlich stets geliebt, aber er war zu verwirrt, um beleidigt zu sein. Es schien so, dass Glorfindel gar keinen Rat in Liebesdingen anbot, sondern vorhatte, sexuelle Stellungen in Ringkampf-Bewegungen umzuändern. Selbst Ecthelion klang skeptisch, als er fortfuhr.

„Und diese hier, ‚Die reife Frucht Laurelins’; sieh mal, sie bezieht einen Baum mit ein! Scheint dir das nicht ein winziges Bisschen unnatürlich?“

„Nun, eigentlich ist der Baum da sehr nützlich. Wenn du dir ‚Telperion erklimmend’ ansehen würdest… Hier, diese Position ist nur deswegen stabil, weil die Frau soviel kleiner ist. Es funktioniert nicht so gut bei Leuten gleicher Größe.“

„Nein.“

„Nun, der Ast, von dem sie bei ‚Die reife Frucht’ herabhängt, hilft der Balance. Vergiss die Frau und stell dir mal vor, wie das mit uns funktionieren könnte. Wirkt das nicht ansprechend athletisch?“

Salgant hätte die Frage nicht beantworten können, da er versuchte, sich nicht irgendetwas vorzustellen. Das bizarre Thema mit seinen verstörenden Aussagen war schlimm genug, aber viel schlimmer war die Art und Weise wie Glorfindels Stimme von Zeit zu Zeit gedämpfter klang, als ob er mit vollem Mund sprechen würde.

„Ja, gut“, sagte Ecthelion nach einer kurzen Stille, „unsere Chancen, jemals einen diskreten Ast zu finden, sind dünn.“

„Da sind reichlich in den Vorbergen. Wir könnten – nein warte! Was ist mit dem verstellbaren Reck in deinem Zimmer? Wir sollten das ausprobieren. Es könnte sich sogar als bequemer erweisen als dein Bett.“

„Hörst du auf, das vorzubringen?“ Ecthelions Stiefel drehten sich herum, so dass sie jetzt denen Glorfindels gegenüber standen. „Ich bin sicher, die Verfasser dieser Rolle hatten sehr bequeme Betten, in denen sie endlose Tage und Nächte zusammen verbrachten. Und sieh nur, wo sie landeten: sie waren so gelangweilt, dass sie neue sexuelle Stellungen mit lächerlichen Namen erfinden mussten.“

„Man muss nicht gelangweilt sein, um neue Erfahrungen zu suchen. Einige der Vanyar glauben, wenn sie in bewusster Konzentration komplizierte Stellungen ausprobieren, wird es ihnen helfen, das wahre Vergnügen der körperlichen Vereinigung zu entdecken.“

„Finden die Vanyar das wirklich so schwierig? Ich nehme an, das erklärt, warum sie das kleinste der drei Völker sind, wenn sie von einem Ast hängen müssen, nur um-“

„Sei vorsichtig. Das sind meine Ahnen, die du beleidigst.“

„Im Gegenteil, ich bin sehr beeindruckt von deinen Vanyar-Vorfahren. Sie heirateten in die Noldor ein, nicht wahr? Eindeutig ein schlaues Unterfangen.“

„Nun, ich sollte doch ihren guten Geschmack in solchen Dingen geerbt haben.“ Glorfindel klang nun besonders gedämpft. Die beiden Stiefelpaare waren noch näher zusammengerückt, bis sie hoffnungslos durcheinander gebracht waren. „Aber nicht die Schwierigkeiten, derer du sie verdächtigst.“

„Ja“, sagte Ecthelion auf eine sehr abgelenkte Weise. „Das sehe ich. Gutes Argument.“

Bald darauf entartete die Situation vollkommen. Salgant versuchte, die zu Boden fallenden Kleidungsstücke zu ignorieren und konzentrierte sich darauf, sich vorzustellen, dass die Geräusche, die er hörte, nicht die Folge von etwas Unaussprechlichem waren, sondern von einem gewöhnlichen Ringkampf kamen. Das passte zwar noch auf das unregelmäßige Atmen und Ächzen, doch das gelegentliche Stöhnen zerstörte diese Illusion. Gekonnte Ringer stöhnten nicht auf diese Weise.

„Diese deine Rolle…“ Ecthelions berühmte Stimme war heiser, aber Salgant war zu schockiert, um glücklich darüber zu sein. „Sagt sie irgendetwas über Tische?“

„Nichts Neues.“

„Nun, dann…“

Der Tisch knarrte, als ein beträchtliches Gewicht darauf gehoben wurde. Jetzt wollte Salgant selbst stöhnen. Es war einfach über eine solche Sache zu lachen, wenn sie rein theoretisch war, doch nun, da sie sich nur wenig Fuß über seinem Kopf abspielte, empfand er eher Übelkeit als Vergnügen. Er steckte sich die Finger in die Ohren, doch selbst so konnte er sehen, dass der Tisch schwankte. Dann landete etwas auf dem Kleiderstapel neben ihm: einer der Schwertfetttiegel, jetzt ohne Deckel. Entsetzt sah Salgant, wie er ein bisschen wackelte und dann behäbig den Stapel hinab und unter den Tisch rollte und an einem seiner Füße liegen blieb.

Ecthelion gab einen atemlosen Laut von sich. „Einen Moment“, sagte er.

Aus Angst, den Tiegel anzustoßen, falls dieser in eine ungünstige Richtung rollte, sah Salgant sich um, während sein Herz einen verkürzten Trommelwirbel schlug. Konnte er sich unter Glorfindels schmutziger Wäsche verbergen? Er würde auf jeden Fall sein Bestes tun.

„Nein, Ecthelion, lass es. Es war ohnehin fast leer. Komm, da ist ein anderes neben meinem Bett.“

„Dein Bett? Warum so phantasielos? Nach all dem Getue um die Rolle willst du-“

Salgant wollte nicht darüber nachdenken, was Ecthelion so abrupt am Sprechen gehindert hatte. In der Zwischenzeit gingen die scheußlichen Geräusche weiter, als die beiden Perversen fort und außer Sicht stolperten.

Alleingelassen atmete Salgant mehrmals tief durch und zwang sich dazu, die Situation einzuschätzen: er war in einer Wohnung eingeschlossen, die eine Auswahl verschiedener scharfer Gegenstände enthielt und zwei hochtrainierte Krieger, die zweifellos über sein Eindringen erzürnt wären. Er wartete, bis die Geräusche rhythmischer wurden. Von dem ausgehend, was er über solche Angelegenheiten wusste, schätzte er, dass er ungefähr drei Minuten für seine Flucht hatte, bevor Ecthelion und Glorfindel aus ihrem Schlafzimmer wieder auftauchten, hungrig genug, um nach diesem halbgegessenen Hühnchen zu suchen.

Salgant kroch aus einem Versteck hervor und versuchte, die Geräusche für sein Fortkommen zu nutzen. Er war gerade dabei, zur Tür zu gelangen, als die an einem Ende des Tisches zusammengeschobenen Karten seinen Blick auf sich zogen. Er schob eine davon in seine Tasche.



Das Entsetzen über die Szene, deren Zeuge er geworden war, umnebelte Salgants Verstand; erst, als er sich in einem naheglegenen Bäckerladen niedergelassen und ein stärkendes Stück Pilzkuchen gegessen hatte, erkannte er, dass sein Versuch, einen Weg zu finden, seinen Rivalen in Verruf zu bringen, erfolgreicher als in seinen wildesten Hoffnungen gewesen war. Die Tiefe von Ecthelions Scheinheiligkeit nahm ihm den Atem, ebenso wie das Ausmaß von Glorfindels Beteiligung. Und er hatte Jahre damit zugebracht, diese Degenerierten zu beneiden! Er hätte diesen Gedanken deprimierend oder ärgerlich finden können, aber die Erkenntnis über die Macht, die er nun in Händen hielt, ließ ihn stattdessen schwindeln, als ob er zuviel Met getrunken hätte. Salgant schluckte sein Essen hinunter und eilte direkt zu Maeglins Räumen.

Das Gefühl der Macht blieb ihm, als er die Gänge des Palastes hinunter schritt. Jeder Wachmann stand sofort still, wenn er seine Schritte hörte und starrte ihn dann, wenn er näher kam, verwirrt an. Nach dem sechsten solcher Vorfälle hielt Salgant inne, um nachzudenken. Es war fast so, als ob die Wachen jemand anderen erwartet hätten: vielleicht den üblichen Salgant, derjenige, der schlenderte anstatt zu schreiten und größere Untergebene mit einem Grinsen grüßte, nicht mit einem gebieterischen Blick. Aber wenn dieser alte, schwache Salgant jetzt fort war, warum benahm sich dann der neue Salgant, als ob er eine Kreatur Maeglins war und nicht ein Fürst aus eigenem Recht? In dem Moment, wo er Maeglin sein wunderbares Geheimnis, für das er Leib und Leben riskiert hatte, mitteilte, würde es nicht mehr sein Geheimnis sein. Schlimmer noch könnte die Wahrheit Maeglins nützlichen Hass auf Ecthelion abkühlen.

Nein, Salgant würde sich nicht so leicht von seiner neu gefundenen Quelle der Stärke trennen. Er konnte aber auch Maeglin nicht völlig im Stich lassen: er würde dem Jungen die Karte über die Kriegsspiele geben, zusammen mit dem Vorschlag, dass er sie mit der Mannschaft des Hauses des Maulwurfes teilen sollte. Er könnte ebenso erwähnen, dass Ecthelion darüber nachgedacht hatte, ein größeres Bett zu erwerben, was die Flammen von Maeglins Hass nett anfachen sollte.

Kein Zweifel, Salgants Glück war im Aufsteigen begriffen.

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