Geschichten aus Mittelerde

Das neue Archiv für Fanfictions rund um Tolkiens wunderbare Welt!

Der Rest ist Stille
by Valinja

Chapter #1
Alles ist düster, Dunkelheit hat sich über der Welt ausgebreitet. Kein Sonnenstrahl dringt durch sie hindurch, kein Mond, kein Stern ist mehr am Firmament zu sehen, denn selbst der Himmel ist versunken in der Finsternis. Außer Fackeln gibt es kein Licht mehr – und auch keine Hoffnung.
Das einst so stolze Minas Tirith ist nicht mehr als ein Ruinenmeer, die weißen Mauern der Stadt sind dunkelrot gefärbt, gefärbt vom Blut all derer, die hier ihr Leben ließen. Und es werden noch mehr hinzukommen, denn die Orks werden nicht aufhören, ihrem grausamen Tagewerk nachzugehen. Sie werden weiter foltern, weiter morden und es wird kein Ende geben. Jeden Tag kommen neue Gefangene für ihre grausames Spiel, Gefangene – wie ich.

Ich kann die Tage nicht mehr zählen, die ich mich nun in ihrer Gewalt befinde und ich will es nicht. Jedes Nachdenken schmerzt noch mehr, gräbt sich tief in mein Gedächtnis ein, wo ich doch nach nichts mehr verlange als danach zu Vergessen – vergessen und endlich erlöst zu werden.

Es hätte anders ausgehen können, doch es kam nicht so, wie wir es wollten, alleine die Schwäche einer Seele, genügte und stürzte uns alle ins Verderben. Wie haben wir gekämpft und gehofft, nur war es vergebens. Wir hatten nicht damit gerechnet, dass der Ring den Verstand seines Trägers so sehr umnebelte und verwirrte, bis es sein Versagen war, dass uns die Niederlage brachte. Mit dem Ringkrieg verloren wir unsere Freiheit, das einzige was blieb war die Flucht zurück nach Minas Tirith, ein letzter Kampf, ein letzter Versuch, wenigstens die Stadt zu halten.

Wir waren nicht alleine, wir bekamen Hilfe. Ich sehe noch Aragorns Gesicht vor mir, als er die Gruppe der Elben aus Imladris erblickte, die bereits auf dem gefahrvollen Weg zur Hauptstadt Gondors die Hälfte ihrer Kämpfer verloren hatte. Doch eine verloren sie nicht – Arwen.

~~~

Aragorn ist erschöpft, ich sehe es in seinen Augen, in seinen Bewegungen. Schmutz bedeckt sein Gesicht, sein Atem geht schnell, doch nicht nur vor Erschöpfung, nein, auch vor Erstaunen. Er will der Elbenmaid, die vor ihm steht, etwas erwidern, aber sie legt ihm einen Finger auf die Lippen und versiegelt seinen Mund.
„Sage nichts, Aragorn“, wispert Arwen. „Ich liebe dich, mein Platz ist an deiner Seite, nirgendwo sonst - dies ist mein Schicksal. Und solltest du sterben, so werde ich selbst den Tod mit dir teilen.“ Und jeder, der sie hört, weiß dass es kein Zurück mehr gibt.

~~~

Mit ihren Worten besiegelte sie ihre Zukunft und ihr Ende, denn sie wird sterben, so wie ich und alle anderen. In der Dunkelheit kann ich ihr Gesicht erkennen, keinerlei Regung ist mehr zu sehen. Die einst funkelnden Augen blicken mich an, doch nun sind sie stumpf. Und sollte sie zuvor noch einen Funken Hoffnung besessen haben, so wurde er nun zunichte gemacht. Denn Aragorn ist tot und wir haben ihn beide sterben sehen. Immer noch dringen die Schmerzensschreie an mein Ohr, die er in seinem Kampf ums Leben ausstieß, aber für ihn gab es nie einen Ausweg. Ich konnte die Pein fühlen, als wäre es meine eigene, ich fühlte die Tortur, welcher er ausgeliefert war. Und ich hörte das grässliche Lachen der Orks, laut und gehässig. Sie haben ihren Spaß daran, wenn wir leiden, wenn sie uns quälen und foltern, bis der letzte Lebenshauch uns verlässt.

Nun sind nur noch Arwen und ich übrig, die wir hier sitzen in diesem dunklen Verließ. Dreck haftet an den Wänden und dem Boden, ebenso eine Handvoll feuchtes Stroh. Ich bin beinahe unempfindlich geworden gegen den Geruch von Moder, Fäule und den Ausdünstungen der Menschen, der sich ausbreitet.
Genauso schmutzig wie der Boden, sind wir selbst. Die Kleider, die wir noch tragen sind nicht mehr als Fetzen, unsere Haare sind verklebt, unsere Körper besudelt von unseren eigenen Ausscheidungen vermischt mit unserem Schweiß. Wir können uns kaum bewegen, Ketten wurden uns an Hände und Füße gelegt, grobe Ketten aus Metall, welche unsere Haut aufscheuerten, bis sie blutete. Es kümmert niemanden, denn den Orks gefällt es und sie haben freie Hand zu herrschen und zu walten, wie sie es wollen.

Als ich Schritte höre, kehren meine Gedanken augenblicklich in meinen Körper zurück. Grausam hallen sie in meinen Ohren wider, ich weiß, dass die Orks sich nähern. Und sie werden wieder einen von uns mit sich nehmen, vielleicht sogar uns Beide.
Und als ob mein Verstand mich verhöhnen will, fange ich an, mich zu regen, mich gegen meine Fesseln zu wehren, auch wenn es zwecklos ist.
„Arwen“, flüstere ich und sie hebt ihren Kopf ein wenig, schüttelt ihn kraftlos.
„Nein, Legolas, nein... es ist vorbei.“ Ihre Stimme ist leiser als das Wispern des Windes, der durch unser zugiges Gefängnis zieht. In mir bricht der letzte Widerstand zusammen.

Dann wird die Tür aufgestoßen, mit einem lauten Knall landet sie an der Wand und ich zucke zusammen - zu laut für unsere empfindlichen Ohren. Orks erscheinen in der Tür, garstig grinsen sie uns an, entblößen ihre gelben und verfaulten Zähne, und ihr Gestank, der in unsere Zelle strömt, treibt mir die Tränen in die Augen.

Hände machen sich an meinen Fesseln zu schaffen und schließlich werde ich grob auf die Beine gezerrt und mitgeschleift. Ihre Klauen schneiden in mein Fleisch, als ich stolpere, denn meine Beine zittern, wollen mich kaum tragen. Ich taumele mehr, als dass ich gehen könnte, bekomme kaum mit, wohin sie mich führen, ich höre nur das Klirren von Metall, das Schreien von Menschen und mein Blut gefriert in den Adern.

Schließlich schleifen sie mich in einen Raum und geblendet von dem Licht der Fackeln schließe ich die Augen. Ich will nicht wissen, was mich erwartet, was sie mir antun wollen, aber wider meines Willens öffne ich die Augen, als ich einen erstickten Laut höre. Ich kenne diese Stimme nur zu gut, denn es ist Arwens Stimme, und die Erkenntnis, was sie planen trifft mich wie ein Schlag.

Ich sehe viele seltsame Geräte, deren Zweck ich nicht einmal erahnen will, aber es drängt sich mir auf, ohne dass ich etwas dagegen tun kann. Ich will mein Innerstes vor dem Schrecken verschließen, aber es ist mir unmöglich und die Orks wissen dies, denn immer wieder sehe ich ihre Augen zu mir hinüberstarren und in ihnen spiegelt sich der Hass, den sie empfinden.

Ohne dass ich etwas tun kann, werde ich zurückgerissen und wie ein Tier an die Wand gekettet, bevor sich die dunklen Wesen Arwen zuwenden. Ich kann die Angst erkennen, die sie ergreift, doch soll ihr Leiden nicht so lange dauern, wie das meine. Trotz ihrer Furcht steht die Elbenmaid aufrecht ihm Raum und starrt die Orks an, doch ihr Blick ist nicht klar, scheint durch die Körper hindurchzudringen und trifft schließlich auf den meinen.

Nur undeutlich erkenne ich einen gehobenen Säbel hinter Arwen und finde kaum mehr die Zeit mich wegzudrehen, den Blick vor dem Grauen zu verschließen, bevor ich höre, wie die Klinge auf Fleisch trifft, Sehnen zerschneidet, Knochen zersplittert - und schließlich ein dumpfer Aufprall. Mein Magen revoltiert, als sich meine Lider wieder heben. Der schönste Stern der Eldar ist verblasst und siecht dahin in einem See aus Blut. Noch immer starren mich die toten Augen der Elbenmaid an, ihr abgetrennter Kopf liegt nur unweit entfernt von ihrem Leib, immer noch fließt das Blut in Strömen. Die Orks lachen und einer stößt Arwens Kopf mit einem Fußtritt hinweg. Übelkeit überflutet mich ob des Anblickes und auch ob der Gewissheit, dass ich der Nächste bin.

Denn schon werde ich wieder gepackt und hinfort gezerrt. Mein Geist nimmt es nur undeutlich wahr, wie sie mich auf eine der Bänke ziehen und festbinden. Im nächsten Moment flutet Schmerz durch meinen Körper und unwillkürlich entfliehen meinem Mund laute Schreie der Marter. Ich habe das Gefühl zerrissen zu werden, spüre nichts anderes als Feuer, dass durch meine Glieder jagt. Vor meinen Augen verschwimmen die Gesichter der Orks zu Grimassen und Fratzen und immer wieder erscheint mir das Bild von Arwens toten Augen.
Es ist kein schnelles Ende, denn ich soll nicht so sterben wie Gimli einst in dem Kampf um unsere Freiheit, mein Ende wird ein anderes sein. Unendlich zieht sich die Folter hin und auch wenn mein Geist nun willig ist, sich zu verschließen, so bin ich doch machtlos gegen die Grausamkeit der Orks, die mich immer wieder von neuem testen und ihre abartige Freude darin finden, wenn mir weitere Schreie entfahren, wenn weiterer Schmerz meinen Körper peinigt. Immer wieder krampfen sich meine Muskeln zusammen, mein Körper steht in Flammen, alles besteht nur noch aus einer einzigen Qual, einer einzigen Tortur, solange bis ich nicht mehr schreien kann, mein Geist getrübt ist.

Aber den Orks genügt das nicht. Immer und immer weiter foltern sie mich, bis ich schlaff auf der Bank liege, in meinem eigenen Blut, dass hinunter tropft auf den Boden und sich mit Arwens und all derer, die hier ihr Leben ließen, vermischt. Ist dies das Ende?

Wie in Trance sehe ich, wie sich ein krummer Säbel über mir erhebt, ich sehe das letzte Mal die hässliche Fratze des Orks und höre das widerliche Lachen. Dann schnellt die metallene Klinge auf mich nieder. Erlösende Schwärze umfängt mich.


ENDE

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