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In einem Zelt bei Weißquell

von Grey Wonderer

Kapitel #1

"Erinnerst du mich noch mal daran, wieso ich mitkommen wollte?" rief Merry über den treibenden Regen und den heulenden Wind hinweg. "Bloß ein kleiner Hinweis, damit mir der Grund einfällt, warum ich dich angebettelt habe, mich auf diese elende Reise mitzunehmen..."


Frodo seufzte, senkte den Kopf und arbeitete weiter daran, das Zelt aufzustellen. Er ignorierte Merrys Genörgel, das jetzt schon eine ganze Weile andauerte. Tatsächlich konnte Frodo seinem jüngeren Vetter nicht wirklich einen Vorwurf machen, aber trotzdem - das Unwetter und Merrys Tirade über den bisherigen Verlauf ihres Ausfluges verschaffte Frodo ordentliche Kopfschmerzen.


"Ich hatte mir doch tatsächlich vorgestellt, dass es schön wäre, durch das Auenland zu wandern! Ich dachte, du hast Spaß auf deinen Abenteuern!" schrie Merry, während er eine Zeltstange ein wenig allzu enthusiastisch in den Boden rammte. Es würde eine Ewigkeit dauern, diese Stange wieder zu entfernen, wenn sie sich zum Aufbruch bereit machten. "Angefleht hab ich dich! Pippin hat mir sogar ein kleines bisschen Leid getan, weil er nicht mitkommen durfte. Aus irgend einem Grund war mir sogar nach Schadenfreude zumute, weil ich dabei sein würde. Ich glaube, ich hab tatsächlich damit angegeben!"


Merry hatte angegeben, Frodo erinnerte sich überaus deutlich daran, Während sie eines Abends spät in der Küche von Beutelsend gesessen hatten, ganz kurz vor dem Ende der Wintermonate, da hatte Merry sich gebrüstet, und Pippin hatte geschmollt. Es war nicht Frodos Absicht gewesen, dass Pippin an der Unterhaltung teilnahm, aber der Bursche war aus dem Bett gestiegen und hatte die beiden dabei belauscht, wie sie diesen Ausflug planten. Von diesem Augenblick an hatte Pippin sein Bestes getan, jemanden - wen auch immer - davon zu überzeugen, dass er alt genug war, Frodo und Merry auf der Wanderung zu begleiten. Am Ende waren Pippins Eltern fest geblieben und hatten sich geweigert, Pippin zu gestatten, mit seinen älteren Vettern im Auenland herumzustromern. Frodo war ganz ihrer Meinung. Der Kleine war zu jung für so eine Reise. Er und Merry würden fast einen Monat unterwegs sein, viel zu lang für Pippin, um von Zuhause fort zu sein. Das einzig Positive daran, Pippin dabeizuhaben, wäre gewesen, dass Pippin in diesem Moment eher gesungen haben würde, während er das Zelt aufbaute, anstatt sich zu beklagen. Frodo hätte ihm zwar garantiert nachgehen und jeden Teil des Zeltes wieder in Ordnung bringen müssen, den Pippin aufzustellen versucht hatte, aber wenigstens hätte Pippin seine gute Laune behalten.


"Die letzten zwei Tage hat es nichts getan als geregnet!" brüllte Merry in den Wind. "Regen und Sturm und dann noch mehr Regen! Meine Haut ist für alle Zeiten verrunzelt. Ich sehe aus, als wäre ich eher fünfundachtzig als fünfundzwanzig!" Er stürzte sich mit seinem Stein auf eine weitere Zeltstange, und der Rest seiner Tirade ging erst einmal verloren.


Frodo war mit seiner eigenen Zeltstange fertig und ging hinüber zu den Ponys, die sich im Augenblick unter einer großen Eiche zusammendrängten. Der Baum bot ihnen etwas Zuflucht vor dem Sturm, und Frodo hatte eine alte Ölhaut genommen und sie in den unteren Zweigen über den Ponys ausgebreitet, um noch mehr von dem Regen abzuhalten. Sie waren nicht im Trockenen, aber einigermaßen geschützt, solange sie unter dem improvisierten Schutzdach blieben. Während Merry sich weiter mit dem Zelt abmühte, fütterte Frodo die Tiere, streichelte sie und versuchte, es ihnen so bequem wie möglich zu machen. Er überprüfte die Seile, die sie an den Baum banden. Es würde den Ponys nicht guttun, sich loszureißen und fort zu wandern.


Frodo war sich halbwegs sicher, dass sie etwa einen Dreistundenmarsch von Weißquell entfernt lagerten, wo Pippins Familie lebte. Frodo hatte Pippins Familienhof heute rechtzeitig zum Abendessen erreichen wollen, aber der Regen hatte sie beträchtlich aufgehalten, und jetzt würden er und Merry sich mit einer kalten Mahlzeit begnügen müssen. Sie würden morgen weiterreisen, und Frodo hoffte auf besseres Wetter. Er hoffte auch, dass Merrys Laune sich besserte und stellte fest, dass er mit liebevoller Wehmut an den ersten Abschnitt seiner Tour zurückdachte.


Er hatte Beutelsend mit seinem Rucksack und seinem liebsten Wanderstab verlassen, vor ein paar Tagen gleich nach dem Abendessen, und sich allein auf den Weg nach Bockland gemacht. Dieser Teil der Reise war friedlich gewesen; er hatte den Gesang der Vögel genossen, den Duft der Frühlingsblumen, und er war nachts eingeschlafen, während er zu den Sternen aufblickte. Als er Bockland erreichte und im Brandyschloss eintraf, um Merry abzuholen, hatte sich alles zum Schlimmeren gewendet. Das Wetter änderte sich vom idyllischen Balsam des Frühlings zu Regen, und er und Merry entschieden sich, ein paar Ponys mitzunehmen. Tatsächlich war das Merrys Idee gewesen. Frodo genoss es immer, zu Fuß zu gehen, aber Merry hatte angemerkt, dass sie nützlich sein könnten, um Vorräte zu tragen, und dass sie darauf reiten könnten, wenn sie müde würden. Frodo hatte zugestimmt; er wollte, dass Merry auf seine eigene, kleine Weise an der Planung teilnahm, und die Einführung von Ponies auf seiner Wanderung schien eine kleine Sache zu sein. Seit das Wetter bei ihrem Aufbruch aus Bockland zum Angriff übergegangen war, war er zugegebenermaßen dankbar für die Ponys.


Das Zelt stand, und Merry stand gerade darin, wenn auch leicht gebückt, und beschwerte sich bei niemandem im Besonderen. Frodo konnte sein Gemurmel hören, während er sich dem Zelt näherte, mit Schlafrollen und Rucksäcken beladen. Frodos Gesicht war hinter seiner Last kaum zu sehen, während er das Zelt betrat und das Bettzeug samt Rucksäcken auf den Boden plumpsen ließ. Rotgesichtig und tropfnass vom Regen, lächelte er Merry an und sagte: "Ich habe nach den Ponys gesehen. Ich bin nicht ganz und gar glücklich damit, wie ich sie untergebracht habe, aber ich denke, sie werden die Nacht schon überstehen."


Merry grunzte. "Wenigstens hat keines von ihnen darum gebettelt, auf diese verflixte Reise mitkommen zu dürfen! Die Ponys hatten keine Wahl. Ich allerdings hab tatsächlich drum gebeten, dass ich darf!"


"Fang einfach schonmal damit an, die nassen Ölhäute von dem herunterzuziehen, was unser trockenes Bettzeug sein wird, wie ich hoffe," seufzte Frodo und deutete auf den Haufen zu ihren Füßen.


Merry knurrte ihn allen Ernstes an, aber er machte sich an die Arbeit, weshalb Frodo beschloss, es durchgehen zu lassen.


"Meine Klamotten sind durchgeweicht!" verkündete Merry ein wenig später, während er seinen Rucksack öffnete. "Ich habe nicht ein einziges trockenes Kleidungsstück in diesem gesamten, klatschnassen Ding!"


"Ich fürchte, meinen Sachen ist es nicht besser ergangen," seufzte Frodo. "Wir haben Glück. dass die Decken und das Bettzeug trocken geblieben sind, oder wir hätten wirklich einen sehr ungemütlichen Abend vor uns."


"Wir hätten?" spuckte Merry. "Frodo, wir haben nichts Trockenes zum Anziehen. Wir können kein Feuer machen. Es gibt kein warmes Essen. Wir sind einen guten Dreistundenritt von Weißquell entfernt, und die Ponys können bei diesem Platzregen nicht weiter! Wir werden eine miserable Nacht haben. Letzte Nacht sind wir wenigstens in dieser Bruchbude von Gasthof untergekommen. Ich meine, der war in einem fürchterlichen Zustand, und das Dach war undicht, aber wir hatten ein Feuer und ein warmes Essen."


"Merry," sagte Frodo, während er begann, sich aus seiner Jacke zu schälen und sorgsam darauf achtete, dass es nicht auf das trockene Bettzeug tropfte. "Du hast dich den ganzen Abend über diesen Gasthof beklagt. Das sollte dir eine Lehre sein. Ich nehme an, du kannst die Feinheiten des ,Krugs zur letzten Gelegenheit' jetzt erst richtig würdigen."


"Es gab keine Feinheiten," sagte Merry, der sich nach wie vor an seine schlechte Laune klammerte. "Der Fußboden in unserem Zimmer war schief und krumm, das Dach leckte an drei Stellen, das Bett war so klumpig, dass ich schon den Verdacht hatte, es würden Maulwürfe in der Füllung schlafen. Wir mussten in den Regen hinaus und unser eigenes Holz holen, weil es im Krug keine erwähnenswerten Knechte oder Mägde gab. Der Besitzer hat dir einen Preis berechnet, der ausgereicht hätte, um die ganze Klitsche zu bezahlen, und das Fenster ging nicht zu."


"Du hast den Tisch vergessen." Frodo lächelte und lockerte sich die Weste.


"Nein, hab ich nicht," sagte Merry und ließ seinen quietschnassen Rucksack mit einem Schaudern auf den Boden fallen. Er hatte bloß drei Beine, und eines davon war kürzer als die anderen zwei. Du musstest einen Scheit Feuerholz unter dieses Bein stecken, damit unser Essen nicht auf den Fußboden rutschte. Wie könnte ich das vergessen?"


Frodo legte die Weste oben auf seinen eigenen, feuchten Rucksack und ließ die Hosenträger von den Schultern gleiten. Er lächelte Merry zu. während er anfing, sein Hemd aufzuknöpfen."Vielleicht ist es morgen besser, Merry. Wir werden - "


"Was machst du da?" unterbrach ihn Merry.


"Was meinst du?" fragte Frodo stirnrunzelnd und schlüpfte aus seinem Hemd.


"Du ziehst dich aus, als hättest du irgendwo in diesem durchweichten Chaos noch was Trockenes zum Wechseln," sagte Merry anklagend. "Hast du doch, oder?"


"Nein, aber ich werde nicht die ganze Nacht damit zubringen, in nassem Zeug herumzusitzen," sagte Frodo, während er das Hemd auf den wachsenden Kleiderhaufen zu seinen Füßen legte.


"Willst du mir damit sagen, dass du die Absicht hast, dich in diesem Zelt vollständig zu entblättern?" fragte Merry und schaute fassungslos drein.


"Habe ich," sagte Frodo und fing an, seine Beinkleider abzulegen. "Und wenn du dir nicht den Tod holen willst, dann wirst du das selbe tun."


Merry gab einen Würgelaut von sich und wandte den Kopf rasch von Frodo ab, der rapide nackter wurde. "Das kann nicht dein Ernst sein!"


"Ich glaube, du kannst deutlich sehen, dass ich es ziemlich ernst meine." Frodo stieg lächelnd aus seiner Unterhose und schüttelte leicht seine feuchten Locken.


"Das gehört sich nicht!" protestierte Merry, der noch immer nicht in Frodos Richtung schaute.


"Merry," lachte Frodo. "Es hilft doch nichts. Wir haben keine andere Wahl in dieser Sache, und ich werde ganz sicher nicht in meinen nassen Kleidern zwischen meine schönen, trockenen Decken kriechen und die ganze Nacht zittern, wenn ich mein tropfendes Zeug ausziehen und schön warm und trocken schlafen kann."


"Ohne einen F-Faden am Leib???" stotterte Merry.


"Aber ja," sagte Frodo, noch immer belustigt über Merrys plötzliches Bedürfnis nach Anstand. "Stell dir einfach vor, dass du drauf und dran bist, nackt im Brandywein zu baden, und zieh deine nassen Sachen aus. Dann kannst du zwischen deine schönen, warmen, trockenen Decken krabbeln und es dir gemütlich machen. Du zitterst vor Kälte."


Merry entledigte sich rasch seiner Jacke und sagte: "Das ist alles, was ich ausziehe! Es ist schlicht und einfach unziemlich! Zwei erwachsene, männliche Hobbits, die nackt in einem Zelt schlafen, in der Mitte von Nirgendwo!"


Frodo lachte und kroch unter eine seiner trockenen Decken. Er saß im Schneidersitz auf der Erde und fing an, Käse und Salzgebäck aus einem der Essensbeutel zu holen, die das nasse Wetter weit besser überstanden hatten. "Ehrlich, Meriadoc. Hier ist im Umkreis von Meilen niemand als ein verirrtes Schaf oder eine einsame Kuh. Niemand wird je davon wissen. Nebenbei wäre es mir lieber, wenn eine ganze Hobbit.-Reisegruppe zufällig vorbeikäme und mich vorfindet, wie ich nackend schlafe, als wenn sie vorbei kämen und mich in meinen nassen Sachen in einem trockenen Zelt sitzen und zittern sehen wie einen Schwachkopf."


Merry stöhnte. "Denk noch nicht einmal an so etwas!"


"Merry, das ist lächerlich." Frodo lachte leise, während er sich einen Käsebissen in den Mund steckte. "Bilbo und ich haben das bei verschiedenen Gelegenheiten machen müssen. Das Wetter spielt nicht immer mit, und manchmal sind die Dinge auf der Straße alles andere als bequem. Ein erfahrener Reisender lernt, das Beste daraus zu machen."


"Frodo, wenn irgendjemand davon hört, dann wird es Gerede geben," sagte Merry; er wagte endlich, zu seinem älteren Vetter hinüber zu blicken, der gemütlich unter einer Decke saß und ein Stück Salzgebäck kaute. "Die Leute werden alle möglichen unfreundlichen Dinge sagen, wenn irgendwer es herausbekommt."


"Bis jetzt, Merry," grinste Frodo, "ist das Einzige, was die Leute sagen werden, dass Meriadoc Brandybock nicht genügend Verstand hat, seine nassen Klamotten auszuziehen und unter eine schöne, trockene Decke zu krabbeln. Das ist alles, was jemand, der uns begegnet, sagen könnte."


Merry runzelte die Stirn. "Wie kannst du bloß nackt dasitzen und Kekse essen?"


Frodo lachte und spuckte Kekskrümel auf seine Decke. "Merry, so schlimm ist es gar nicht. Bloß du und ich sind hier, und ich habe dich schon früher nackt gesehen."


"Da war ich noch ein Kind," protestierte Merry. "Für den Fall, dass du es noch nicht bemerkt hast, ich bin jetzt ein erwachsener Hobbit, und du hast mich ganz sicher ein paar Jahre nicht mehr nackt gesehen."


"Schön." Frodo grinste. "Ich werde meine Augen zumachen, während du dein nasses Zeugs los wirst und unter einer Decke verschwindest. Ich würde nichts sehen wollen, was ich nicht sehen soll."


"Das ist nicht komisch," knurrte Merry, zog seine Weste aus und ließ sie auf seine Jacke fallen. "Was, wenn sich das herumspricht? Die Leute werden über uns tratschen wie über Tolman Kattuns Vetter Rusty und seinen... Freund."


Frodo lächelte. "Was Rusty Kattun macht, ist seine eigene Sache. Dir ist doch bewusst, dass unterschiedliche Hobbits unterschiedliche Vorlieben haben, oder?"


"Ich bin kein Kind, Frodo." sagte Merry mit einem Schaudern. "Ich weiß, dass nicht alle vom selben Ufer sind. Ich bin fünfundzwanzig, weißt du?"


"Dann benimm dich auch so," forderte Frodo ihn heraus. "Zieh diese unbequemen, nassen Sachen aus und kriech in deine Schlafrolle. Ich werde sogar mein Essen mit dir teilen, du alberner Brandybock."


"Also schön, dann mach die Augen zu, damit ich mich ausziehen kann," sagte Merry schlechtgelaunt. "Ich nehme an, du hast Recht. Niemand wird uns hier draußen zu sehen bekommen, in der Mitte von Nirgendwo."


Frodo schloss lächelnd die Augen, "Wo hast du bloß diesen albernen Ausdruck gehört?"


"Was für einen albernen Ausdruck?" fragte Merry, während er sein Hemd auszog.


"Nicht alle sind ,vom selben Ufer'?" Frodo kicherte.


"Das ist die höfliche Art, es auszudrücken," meinte Merry genervt. "Das ist das, was manche Leute sagen, wenn sie über andere Leute reden, die beim Miteinander schlafen einen anderen Geschmack haben."


"Was für Leute sind das? Pippins altjüngferliche Tanten?" Frodo gluckste.


"Na ja, du weißt, was ich meine," sagte Merry, und Frodo konnte hören, wie sein jüngerer Vetter in seine Schlafrolle krabbelte und die Decken hochzog. "Jetzt kannst du die Augen aufmachen."


"Bist du auch ganz sicher, dass du die Familienjuwelen der Brandybocks gut versteckt hast?" neckte Frodo und öffnete ein Auge einen Spalt weit. Er stellte fest, dass Merry sich so fest in Decken gewickelt hatte, dass nur sein Kopf und ein Arm sichtbar waren.


"Das ist überhaupt nicht witzig," sagte Merry, rot vor Verlegenheit. "Wenn uns irgendjemand findet, dann sehen wir aus wie ein paar... na schön, ein paar..."


"Ein Paar Hobbits, die das Pech hatten, in einem Platzregen durchweicht zu werden, und die das Beste daraus machen mussten?" fragte Frodo und hob eine Augenbraue. "Oder Rusty Kattun auf einem Ausflug zu einer vergnügten Nacht mit seinem Liebhaber?"


Merry stöhnte auf. "Würdest du bitte nicht einmal Witze darüber machen? Du magst ja nicht heiraten wollen, aber ich hätte gern irgendwann einmal die Möglichkeit. Ich will meine Chancen, einem Mädel oder zwei den Hof zu machen, nicht dadurch ruinieren, dass man mich nackt in einem Zelt mit meinem viel älteren Junggesellen-Vetter entdeckt!"


Frodo brüllte vor Lachen. "Oh, Merry... wirklich! Ich würde eher Rusty Kattun flachlegen als dich!"


"Frodo! Darüber scherzt man nicht!" protestierte Merry. Er brach ab und schaute verblüfft drein. "Du willst mir doch nicht sagen, dass Rusty Kattun dir besser gefällt als ich!"


Jetzt lachte Frodo sogar noch lauter. "Ich hab dich wohl in deinem Stolz gekränkt, was?"


"Nicht, dass es irgendwas bedeutet, aber ich sehe zufällig viel besser aus als Rusty Kattun!" schnaubte Merry. "Seine Augen stehen zu weit auseinander, und seine Schultern sind ziemlich krumm. Obendrein hat er eine teigige Haut, und er ist ständig so blass. Sieht ungesund aus."


"Dann ist dir Rusty also aufgefallen?" fragte Frodo. "Vielleicht bin ich derjenige, der bei dieser Übernachtung nervös sein sollte."


Merry lief rot an. "Reich mir die Kekse und sei still!"


"Wo haben wir diesen Honig hingetan, von dem deine Mutter unbedingt wollte,dass wir ihn mitnehmen?" fragte Frodo. "Ich denke, das Buttergebäck hier wäre mit etwas Honig weniger trocken und geschmacklos."


"Der ist gleich hier, hinter mir," sagte Merry, der sich ein wenig entspannte, nachdem das Gespräch sich von Rusty Kattun abwandte und zum Essen zurückkehrte. Er langte hinter sich und löste vorsichtig den Deckel von dem kleinen Fässchen. "Gib mir einen Löffel und ein bisschen Gebäck, und ich streich Honig drauf."


Frodo tat, wie ihm geheißen, und bald genossen sie Buttergebäck mit Honig, salzige Kekse mit Käse und ein paar Äpfel. Merrys Nervosität schwand gemeinsam ,mit dem Essen, und die beiden legten sich schlafen, in trockene Decken gewickelt, während draußen vor dem Zelt der Regen fiel.



*****




"Überraschung!"


Frodo wurde von einem schrillen Geflüster begrüßt, gemeinsam mit Sonnenlicht, das durch eine offene Klappe ins Zelt drang. Frodo zwang die Lider auseinander und stellte fest, dass er seinen jüngeren Vetter Pippin anstarrte. Pippin stand in der Zeltöffnung, den Mund weit aufgesperrt, die Augen riesig, einen Schäferstab in der Rechten. Der beinahe siebzehnjährige Tuk sah aus, als hätte er ein Gespenst gesehen, oder vielleicht eine Natter. Sein Gesichtsausdruck war völlig schockiert.


"Was tust du denn hier?" fragte Frodo; er versuchte noch immer, ganz wach zu werden und blinzelte gegen die Sonne.


"Ich könnte dir die selbe Frage stellen," murmelte Pippin, ohne den Blick von dem zu nehmen, was seine Aufmerksamkeit gefangen hielt. Er schluckte. "Also, dann war das der Grund, weshalb ich nicht mitkommen durfte?"


Frodo fuhr sich mit der Hand durch das Haar und setzte sich auf. "Ich wiederhole: was tust du hier?"


"Ich habe nach einem paar von den Schafen gesucht, die Nell anscheinend verloren hat, und da hab ich euer Zelt gesehen," murmelte Pippin. Er runzelte abfällig die Stirn. "Das hier hätte ich nie erwartet. Ich dachte bloß, ich schau mal vorbei und finde raus, ob du und Merry mit in den Smial kommen wollt, zum zweiten Frühstück... bloß, dass ich jetzt sehen kann, dass ihr das nicht wollen würdet, und selbst wenn, dann würde es meine Mama wahrscheinlich umbringen. Sie würde diese Neuigkeit nie verkraften. Sie ist nicht mehr so jung, wie sie mal war, und sie ist leicht schockiert."


Frodo folgte Pippins Blick und seinen Augen weiteten sich. Ein überaus nackter Merry lag auf seinem Bauch und schnarchte vor sich hin. Anscheinend war sein jüngerer Vetter während der Nacht seine Decken losgeworden und schlief jetzt wie ein Klotz - ein sehr nackter Klotz - ganz dicht neben Frodos Decken. Tatsächlich war einer von Merrys Armen quer über Frodos Hüfte ausgestreckt. "Pippin - das mag ein bisschen merkwürdig aussehen, aber ich versichere dir, es ist nicht, was du denkst." sagte Frodo rasch.


Pippin brachte es fertig, die Augen von Merrys nackter Rückseite zu nehmen und betrachtete Frodo schmollend. "Schon recht, Frodo. Ich werd's keinem erzählen. Ich weiß alles über diese Dinge, ich wusste bloß nicht, dass du und Merry ,Würstchen verstecken´ spielt."


Frodo verschluckte sich beinahe. "Pippin, Merry und ich spielen überhaupt nichts! Ich kann dir versichern, dass - "


Pippin verdrehte die Augen himmelwärts und gab einen tiefen Seufzer von sich. "Ich bin kein Kind, Frodo. Ich weiß alles über diese Dinge. Tatsächlich erklärt es, wieso du nie geheiratet hast. Das mit Merry überrascht mich allerdings. Ich hätte nie gedacht, dass er sich für... na ja, für dich interessiert. Aber es erklärt wirklich, wieso du nicht verheiratet bist."


"Was hat eigentlich mein Ehestand damit zu tun?" platzte Frodo heraus; seine Decke rutschte zur Taille hinunter und entblößte seine nackte Brust.


Pippin räusperte sich und ließ den Schäferstab zwischen den Händen wirbeln. "Na ja, wenn es die Jungs sind, auf die du stehst, dann hättest du sicherlich nicht gern ein Mädel um dich im Smial, das dir den Spaß verdirbt, oder? Nebenbei wäre es einfach falsch, ein Mädchen zu heiraten und sie glauben zu lassen, dass du auf sie stehst, während du's die ganze Zeit mit Merry treibst!"


"Ich treibe es nicht mit Merry!" protestierte Frodo ein wenig zu laut, und Merry grunzte im Schlaf, rollte auf den Rücken und offenbarte einen überaus gesunden Ständer.


Pippins Augen wurden rund. "Also gut, dann treibt Merry es eben mit dir," sagte er und beäugte unverhohlen Merrys Schoß. "Bereit dafür scheint er wenigstens zu sein. Perle hat immer gesagt, sie dächte, dass Merry - "


"Peregrin Tuk, würdest du bitte deinen Kopf aus dem Schlafzimmer holen und es wieder mit gesundem Hobbitverstand versuchen?" zischte Frodo. Er blickte sich nach etwas um, womit er Merry zudecken konnte, fand aber nur seine eigene Decke, die er jetzt nicht zu opfern beabsichtigte. Pippin hatte schon genug gesehen.


Pippin zuckte die Achseln. "Ich hätte nie gedacht, dass Merry Gefallen an Jungs findet. Er war scheinbar immer so scharf auf die Mädels. Tatsachlich habe ich einmal sogar geglaubt, er wäre scharf auf Nell. Ich vermute, da lag ich wohl falsch." Pippin fuhr fort, Merrys nackte Gestalt anzustarren, während er sprach. "Das hier ist etwas, das ich nie von Merry geglaubt hätte, und ich dachte immer, ich kenne die meisten seiner Geheimnisse. Für meine Schwestern wird es sicher eine Überraschung. Weiß Merrys Mama, was ihr auf dieser Wanderung anstellt? Oder Onkel Doc?"


"Pippin, Merry und ich sind letzte Nacht in den Regen geraten und hatten nichts Trockenes anzuziehen. Wir mussten uns zum Schlafen ausziehen, damit unser Bettzeug nicht nass wurde. Es gibt absolut nichts, was du deinen Schwestern erzählen könntest, oder Merrys Eltern, oder irgendwem sonst! Es gibt nichts zu erzählen!" Frodo seufzte, als er feststellte, dass einiges von Pippins Aufmerksamkeit immer noch von Merry beansprucht wurde. "Würdest du freundlicherweise da drüben hinfassen und Merry mit dieser Decke zudecken?"


Pippin lächelte. "Er lenkt dich wohl ein bisschen ab, was?"


"Peregrin Tuk, ich bin kurz davor, rüber zu kommen und - "


Pippin grinste. "Steh meinetwegen bloß nicht auf," sagte er rasch, und Frodo klammerte sich an seine Decke. Pippin beugte sich hinüber und zog mit einer Hand die Decke über Merry, während er sich mit der anderen auf seinen Schäferstab stützte. "Da, jetzt kannst du dich wieder anständig konzentrieren, Frodo." Er richtete sich wieder auf.


"Pippin, das ist nicht, was du denkst, dass es ist," sagte Frodo streng. "Merry und ich sind letzte Nacht einfach in diesen Sturm geraten. Den Sturm hast du doch gehört, oder nicht?"


Merry schnarchte leise, und Pippon lächelte süß. "Hab ich. Scheußlicher Sturm. Hat das Pflugpony verängstigt, und Vater hatte Schwierigkeiten, es in die Scheune zu kriegen." Pippin grinste leicht und schaute auf Merry hinunter. "Sieht aus, als hätte Merry in diesem größeren Zelt noch ein winzig kleines aufgeschlagen," witzelte er und zeigte auf die Decke, die Merry nun bedeckte und sich an einer Stelle ein wenig wölbte.


Frodo stöhnte und tat sein Bestes, Pippins Sinn für Humor zu ignorieren, "Also hast du den Sturm gehört, und du weißt, wie heftig es letzte Nacht geregnet hat," sagte er und versuchte, das Thema zu wechseln.


"Habe ich wirklich." Pippin lächelte. "Deshalb bin ich auch so früh am Morgen draußen und versuche, diese Schafe zu finden. Nell meint, ein paar von den kleineren hätten sich während des Sturms verlaufen." Pippin betrachtete gedankenvoll den Schäferstab und lächelte wieder. "Ich bin draußen und spinne so ein bisschen herum." Er lachte. "Verstanden? Spinnen? Siehst du, Garn spinnt man aus Wolle, und - " *


"Ich hab's begriffen, Pippin," seufzte Frodo.


Pippin wiegte sich leicht auf den Fersen und lächelte schon wieder. "Meine Güte, das ist peinlich, oder? Ich meine, ihr müsst gedacht haben, ihr wärt weiter vom Hof weg, als ihr euer Lager aufgeschlagen habt, oder ihr hättet euch eine diskretere Stelle ausgesucht für euren Spaß und eure Spielchen! Ihr seid gerade mal eine Stunde zu Fuß von unserem Familiensmial entfernt."


"Pippin, Merry und ich beschäftigen uns nicht mit Spaß und Spielchen!" zischte Frodo. "Wir hatten letzte Nacht einfach nichts Trockenes mehr, worin wir schlafen konnten."


Pippin griente.


"Ich sage dir die Wahrheit," sagte Frodo. "Alles was wir versucht haben, war warm zu werden."


Pippin verdrehte die Augen, dann sagte er: "Und, seid ihr? Warm geworden, meine ich?"


Merry gähnte, setzte sich auf und rieb sich die Augen, Er blinzelte ins Licht und blickte dann Frodo an. "Letzte Nacht war gar nicht so übel. Tut mir Leid, dass ich mich beklagt hab, Frodo. Ich hatte das bloß noch nie vorher getan."


Pippin ließ den Schäferstab fallen und schlug für eine Sekunde beide Hände vor den Mund. "Du hast Merry entjungfert!" sagte er zwischen den Fingern hindurch, während er Frodo anklagend anstarrte.


"Ich habe nichts dergleichen getan!" schrie Frodo, der sich vergaß und aufstand.


Merrys Kopf zuckte in Pippins Richtung. "Was tust du denn hier?"


Pippin war nun außerstande zu antworten, weil Frodo es zugelassen hatte, dass seine Decke herunterfiel, während er sich erhob, worauf er nun splitternackt vor Pippin stand. "Ich habe jetzt absolut genug von deinen Andeutungen!" sagte Frodo erzürnt.


Pippin machte ein paar Schritte rückwärts, stolperte über den Schäferstab und setzte sich zu Füßen von Merrys Schlafrolle hart auf den Boden. "Ich hab dir gesagt, ich erzähle niemandem etwas davon!" sagte er. "Es ist bloß eine Überraschung, sonst nichts! Ich wusste nicht, dass du und Merry euch so nahe steht. Ich habe andere Vettern, die diese speziellen Gewässer erforschen, aber ich wusste nicht, dass du und Merry über die verbotenen Meere segelt, und dass ihr euer Boot in eine andere Richtung rudert!"


"Du wusstest nicht, dass wir was machen?" verlangte Merry zu wissen und starrte Pippin durchbohrend an.


"Das ihr was miteinander habt?" flüsterte Pippin, der sich nun fast Nase an Nase mit Merry befand.


Merry verschluckte sich, wandte sich ab und schaute zu Frodo auf. "Ich hab's dir doch gesagt! Hab ich dir nicht gesagt, wenn irgendwer uns hier draußen so vorfindet, dann denken alle, wir führen was im Schilde? Hab ich's dir nicht gesagt, Frodo?" Er schloss rasch die Augen, als ihm klar wurde, zu welchem Teil von Frodo er aufblickte. "Würdest du bitte das Ding da wegstecken? Du wirst mir noch ein Auge ausstechen!"


Frodo sah nach unten und begriff, dass er völlig entblößt war. Er langte hinab, packte eine Decke und schlang sie sich um die Mitte. Pippin hatte eine Hand über beide Augen gelegt und hielt jetzt eine dramatische Rede, "Wenn ihr mir vor ein paar Tagen Bescheid gesagt hättet, ich wäre ganz sicher nicht einmal in die Nähe von hier gekommen! Alles, was ihr hättet tun müssen, wäre, es mir zu sagen. Einer von euch beiden hätte doch etwas sagen können. Ich meine, einer von euch hätte einfach sagen können; ,Schau mal, Pippin, wir hätten dich germ bei unserer Wanderung dabei, aber wir haben ein paar besondere Pläne. Siehst du, wir stehen uns viel näher, als du denkst. Wir sind verliebt, Pippin!Tatsächlich haben wir die Absicht, uns quer durch das Auenland zwischen den Laken zu wälzen, und natürlich können wir dich dabei nicht gebrauchen!"


Pippin gab ein kleines, verächtliches Schnauben von sich und fuhr fort:


"Natürlich wäre ich nicht mitgekommen! Ich habe eine Vorliebe für Mädchen, oder wenigstens glaube ich, dass das so ist, wenn ich alt genug bin, eine Vorliebe für irgendwen zu entwickeln... aber wenn ihr beide eine Vorliebe füreinander habt, dann soll's mir Recht seín. Es macht mir nichts aus, noch ein paar mehr männliche Vettern zu haben, denen sowas Spaß macht. Die Tuks haben immer schon weg geschaut, wenn so was passiert. Wir sind sehr tolerant mit unseren Hintertür-Vettern. Wenn du und Frodo miteinander bumst, dann - "


Es war genau in diesem Augenblick, dass Merry, verzweifelt darum bemüht, Pippin Einhalt zu gebieten, hinter sich nach dem nächsten verfügbaren Gegenstand tastete und das Fässchen mit Honig zu fassen bekam.




*****



"Du hättest ihn mir nicht über den Kopf kippen müssen," beschwerte sich Pippin, während er einige Zeit später zwischen seinen älteren Vettern dahinwanderte und den Schäferstab als Spazierstock benutzte. "Du hast einen Köder für wütende Bienen aus mir gemacht, Meriadoc!"


"Schien mir der einzige Weg zu sein, dir das Maul zu stopfen," sagte Merry achselzuckend. Er ging ziemlich steifbeinig in seinen noch immer feuchten Hosen. Er und Frodo hatten kaum eine andere Wahl gehabt, als ihre nasse Kleidung zu tragen; keiner von beiden hatte daran gedacht, die Sachen auszubreiten, damit sie während der Nacht ein wenig trocknen konnten. Wenigstens stand heute die Sonne am Himmel.


"Ich glaube nicht, dass ich diesen Honig je wieder aus den Haaren kriege," stöhnte Pippin und legte eine klebrige Hand auf seine noch klebrigeren Locken. "Nebenbei, du solltest nicht wütend sein. Du hast zugegeben, dass du das selbe gedacht hättest, wenn du zwei nackte, männliche Hobbits in einem Zelt mitten auf einer Wiese gefunden hättest; deswegen begreife ich nicht, wieso du so wütend auf mich warst, weil ich das gedacht habe."


"Weil ich einer der nackten Hobbits war, über den du das dachtest!" knurrte Merry. "Ehrlich, Pippin, ich sehe ja ein, wieso du so etwas von dem alten Frodo hier glauben konntest, aber von mir?"


"Und wieso, bittesehr, siehst du ein, dass er so etwas von mir glaubt?" verlangte Frodo zu wissen und blieb auf dem Weg dicht am Tor zum Hof von Pippins Familie stehen. Die drei waren von den Feldern herüber gewandert und ließen die Ponys zum Grasen auf der Wiese. Pippin stand zwischen seinen beiden älteren Vettern und hielt seinen Schäferstab fest, während Frodo über seinen Kopf hinweg Merry anklagend anstarrte.


Merry zuckte die Achseln, "Es ist ja bloß, weil ich noch jung bin und allen möglichen, hübschen Mädels den Hof mache, und du... na ja, du verbringst den größten Teil deiner Zeit mit Lesen oder damit, in deinem Garten herumzuwirtschaften, zusammen mit Sam. Ganz ehrlich, wenn Sam nicht gerade mit Rosie Kattun ausgehen würde, dann könnten die Leute glauben, dass du und er - "


"Sam Gamdschie!" protestierte Frodo empört. "Stellt du dich wirklich hier hin und erzählst mir, dass die Leute denken würden, ich treibe es mit meinem Gärtner?"


Wieder zuckte Merry die Achseln, "Manche schon." Pippin, der neben Merry stand, nickte zustimmend.


"Das ist mit Abstand das Lächerlichste, was ich in all meinen Jahren gehört habe, und die sind, wie du und Pippin dauernd anmerkt, zahlreich!" stöhnte Frodo und ging seinen Vettern voraus durch das Tor. "Ich! Ich und Samweis Gamdschie! Von allen unmöglichen Einfällen... Als nächstes werdet ihr mir erzählen, dass ich mit dem Ohm ins Bett steige!"


Merry und Pippin wechselten belustigte Blicke. "Es könnte passieren," wisperte Pippin.


Merry legte einen Finger auf die Lippen. "Sag kein Wort mehr. Ich hab dich bloß mit Honig übergossen. Unmöglich zu sagen, was Frodo tun könnte, wenn du zu frech wirst. Sehr gute Laune hat er nämlich nicht. Er hat sich während der gesamten Wanderung beschwert. Im Ernst, Pippin, du solltest froh sein, dass du nicht mit uns gekommen bist. Unser Vetter Frodo ist nicht der allerbeste Reisegefährte."


Vor ihnen auf dem Weg redete Frodo noch immer im Gehen mit sich selbst. "Samweis Gamdschie und ich! Es kann ja wohl niemanden im gesamten Auenland geben, der verdreht genug wäre, so etwas zu glauben! Sam!"


Pippin kicherte und leckte sich den Honig von einem Finger, während Frodo fortfuhr, zu wüten und vor sich hinzuschimpfen. "Ich hoffe, wir rennen nicht in irgendwelche Bienen hinein," meinte er stirnrunzelnd. "Dieser Honig lässt sie wahrscheinlich überall auf mir ausschwärmen!" Er zog Merry ein Gesicht.


Merry grinste und deutete direkt hinter sie. "Hier kommt eines von deinen Lämmern. Ich schätze, Bienen sind nicht die einzigen, die Honig mögen."


Das Lamm näherte sich Pippin und fing an, sein Hosenbein abzulecken.


"Obacht, Pip." Merry lachte, während er dem übereifrigen Lamm dabei zusah, wie es Pippins Bein attackierte, "Die Art von Klatsch, die so etwas wie das hier auslösen könnte, ist viel schlimmer, als nackt in einem Zelt mit Frodo erwischt zu werden. Eine mehr als durchschnittliche Tierliebe kann niemand mehr übersehen, nicht einmal die Tuks."


Merry zwinkerte, während das Lamm weiter Honig von Pippins Bein ableckte; es kam seinem Schoß gefährlich nahe, während Pippin versuchte, das Tier weg zu schubsen. Merry ging, immer noch lachend, davon, während ein zweites Lamm neben Pippin aufholte.


"Es ist der Honig!" widersprach Pippin laut, hastete hinter Merry her und versuchte, Abstand zwischen sich und die entschlossenen Schafe zu bringen. "Ehrlich, Merry, es ist bloß der Honig!"



ENDE
*Das ist meine Version eines englischen Wortspieles, das im Deutschen leider überhaupt nicht funktioniert. Im Original heißt es da "woolgathering", was zum einen passenderweise "Wolle sammeln" bedeutet und zum anderen "tagträumen" oder "vor sich hin spinnen". Diese Übersetzung ist wahrscheinlich noch am nächsten dran.