Arda Fanfiction

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Kaminfeuer

von Cedrella Dawson

Geschichten, die niemals Vergessen werden sollten

Müde beobachtete Bilbo seinen jungen Neffen beim Aufräumen der Höhle. Wenige Jahre war es her, dass er Frodo bei sich aufgenommen hatte und mit jedem Tag erfreute er sich wieder an der Lebensfreude in dem jungen Beutlin. Morgen würde halb Hobbingen bei ihnen einfallen um Bilbo zum Geburtstag zu gratulieren und nicht zum ersten Mal spielte er mit dem Gedanken, einfach reiß aus zu nehmen.
Er wurde daran gehindert diesem Plan weiter auszuarbeiten, als Frodo unsicher vor ihn trat und ihn somit aus seinen Gedanken riss. In seinem Händen hielt er einen krummen, verknorrten Holzstock, der sich eckig in die Länge zog.
„Was soll ich hiermit machen, Onkel Bilbo? Ich fand ihn in der Nähe der Speisekammer...“
Von Erinnerungen überrannt, nahm Bilbo den Stock in seine Hände und strich zärtlich drüber.

„Und nun, Herr Meisterdieb, unser Geschenk an Euch, zusammen mit unserem ewigen Dank.“
Bilbo schaute den neuen Herrscher der Seestadt, Bard den Bogenschützen, verständnislos an.
„Ohne Euren unerschütterlichen Mut wäre mein Volk jämmerlich zu Tode gegangen. Ohne Eure ehrlichen Worte zu Eurem Freund Thorin hätten die Orks dieses Land überrannt. Und ohne Euren Beitrag hätten wir niemals in die Stadt unserer Vorväter zurück ziehen können.“
Bilbo spürte wie er rot anlief und sich gleichzeitig ein Kloß der Trauer in ihm bildete. Es war keine zwölf Stunden her, dass er an Thorins Sterbebett gerufen wurde, um seinen Freund beim Weg in den Stein zu begleiten nach einer letzten Entschuldigung.
„Nichts was ich besitze könnte dieses Geschenk von Euch ehrlich aufwiegen, dennoch vermag ich zu hoffen, dass Euch diese Geste einen Nutzen haben mag.“
Unsicher hielt der Mann ihm den seltsamsten Stock entgegen den Bilbo je gesehen hatte, einschließlich des Zauberstabs von Radagast dem Braunen. Verwirrt sah er ihn an.
„Danke Bard. Ich habe das nicht für euch getan sondern für Thorin meinen Freund, der in sein eigenes Verderben rennen wollte. Doch sagt mir, was soll ich mit diesem Stück Holz?“
Das Glitzern in den Augen von Bard ließ ihn neugierig werden.
„Dies ist ein Geschenk der Waldelben was seit vielen Dekaden in meiner Familie vererbt wird. Man sagt es wurde uns gegeben, als wir gezwungen waren den Wald zu verlassen. Kann man den Überlieferungen trauen, so wirst du niemals deinen Halt verlieren, solange du mit ihm auf Reisen bist. Wenn auch nur ein Teil davon der Wahrheit entspricht, wirst du ihn auf deiner Heimreise sicherlich gut gebrauchen können.“
Bilbo nahm den Stock jetzt zögerlich an sich und verbeugte sich tief.
„Habt vielen Dank, Bard. Ich werde dieses Geschenk in Ehren halten und seine Geschichte nicht in Vergessenheit geraten lassen.“


„...in den Kamin werfen? Oder willst du ihn lieber spalten lassen?“
Sein Neffe sah ihn erwartungsvoll an doch Bilbo umklammerte den Stock fest, als die Worte in sein Bewusstsein drangen.
„Mein lieber Frodo, dieser Stock ist vieles, aber sicher kein Feuerholz. Lass mich dir eine Geschichte erzählen. Aber vorher schür ordentlich das Feuer im Kamin und vergiss nicht den Tee aufzusetzen. Wir haben es gleich vier Uhr, merk dir eines, kleiner Hobbit, vergiss in dieser Höhle niemals den Tee um vier und wer immer vorher klopft, gewähr ihm Einlass.“
Den verwirrten Frodo im Wohnzimmer stehen lassend, erhob Bilbo sich und ging in sein Schlafzimmer.
Dort stand blank poliert eine alte, kleine Holztruhe über der eingerahmt die Karte vom Erebor hing. Lächelnd stellte er den Stock dazu und öffnete die Scharniere vorsichtig.
Funkelnd lagen dort das Kettenhemd aus reinem Mithril, sein treues Schwert Stich und das Gold, welches er in der Trollhöhle gesammelt hatte. Noch nie hatte jemand außer ihm einen Blick in diese Truhe geworfen und er hatte auch nicht vor daran in absehbarer Zeit etwas zu ändern. Aber vielleicht war es soweit, dass er Frodo die ein oder andere Geschichte von seiner Reise erzählen sollte. Nicht auszudenken, wie der Junge sonst auf die Munkeleien der anderen Hobbite reagieren könnte, wenn diese die alten Gerüchte von ihren Eltern weitertragen würden.

Eine halbe Stunde später saß er gemütlich auf seinem Lieblingssessel vor dem Kamin und sah in das prasselnde Feuer. Dicht loderte es an den Wänden hoch und verbreitete eine wohlige Wärme in der ganzen Höhle. Erwartungsvoll kniete Frodo vor ihm auf dem Teppich und schaute zu ihm hoch.
„Wie du weißt Frodo, war ich vor einigen Jahren auf einer langen Reise. Mein alter Freund Gandalf kam eines Tages an diese Tür und nahm mich mit auf ein Abenteuer. Und auch wenn ich es vorher nie glauben wollte, wenn du einmal auf ein Abenteuer gehst, kehrst du nicht als der selbe Hobbit zurück, wie der, der du warst als du aufgebrochen bist. Behalte diese Worte in Erinnerung, wenn Gandalf eines Tages kommt, um dich ebenfalls mit zu nehmen. Und glaub mir, junger Beutlin, er wird kommen, denn du bist ein Tuk und wir Tuks sind anders als die anderen Hobbite.“
In diesem Moment wurden sie unterbrochen von einem dumpfen, kräftigen Poltern an der Haustüre. Bilbo sah erwartungsvoll auf die Uhr und lächelte dann breit. Punkt vier Uhr, seine Freunde hatten ihn nicht vergessen.
„Geh Frodo, geh. Öffne rasch die Tür und sieh mit eigenen Augen, was ein Abenteuer mit dir macht. Geh und begrüß die besten Freude, die ich jemals hatte.“


ENDE

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